Soll man zusammen oder getrennt einschlafen?

Von Wolfgang Schmidbauer, Paartherapeut

Zusammen in einem Bett zu schlafen ist ein Symbol. Es sollte kein Dogma sein. Die wichtigste Bedeutung ist die, dass die Gegenwart des Liebespartners entspannt, dass sich das Paar in der Nähe zueinander wohlfühlt. Die deutsche Umschreibung »zusammen schlafen« für den sexuellen Akt zeigt unsere hohe Schamkultur; make love, fare l’amore oder faire l’amour, wie unsere Nachbarn sagen, ist direkter und genauer. Die Intimität beim zusammen Schlafen ist letztlich die, sich zusammen tief entspannen zu können, das ist oft ebenso befriedigend wie Sex. Darüber hinaus ist es praktisch, auf Reisen nur ein Zimmer zu brauchen. Im Schlaf selbst ist der Mensch nicht beziehungsfähig. Pragmatische Lösungen, was den ungestörten Schlaf angesichts eines laut schnarchenden Liebesobjekts angeht, ziehe ich einer Ideologie des Ehebetts allemal vor.

Soll man im Bett essen und telefonieren?

Von Ina Krieger

Das Bett ist schon lange nicht mehr das, was es einmal war. Früher waren die Regeln klar: Auf der Matratze wird geschlafen. Heute hingegen tun wir eigentlich fast alles im Bett, außer schlafen: Wir lesen, checken unsere E-Mails, telefonieren, schauen Filme, haben Sex, shoppen, und hin und wieder verzehren wir auch unsere Mahlzeiten hier. Ins Bett zu gehen bedeutet nicht mehr, dass der Tag zu Ende ist, für viele fängt die schaffensreiche Zeit hier erst an. Der französische Sänger Sébastien Tellier zum Beispiel komponiert seine Songs am liebsten liegend. Auch Xavier de Moulins, Schriftsteller und Journalist, schrieb seine Romane im Bett. Die Welt zwischen Traum und Wirklichkeit scheint unsere Energien zu beflügeln, uns auf berauschende Weise produktiv werden zu lassen. Wer könnte dann noch, nach solch ideenreichen Stunden, Nein zu einem Frühstück sagen? Und wo wird es gegessen? Im Bett natürlich.

Wie groß muss das Bett sein?

Von Ina Krieger

Damit die gemeinsame Nacht auch ruhig verläuft, ist die Wahl der Bettgröße entscheidend. Das deutsche Doppelbett ist für gewöhnlich 1,80 Meter breit, das sind 90 Zentimeter für jeden, was vollkommen ausreichend wäre. Aber wir wollen unseren Freiraum aus dem Alltag auch im Bett nicht aufgeben. Deshalb eignet sich ein Zwei-mal-zwei-Meter-Bett wunderbar für das gemeinsame Getrenntschlafen. Krabbeln die Kinder morgens dazu, bleiben für jeden immerhin noch knapp 50 Zentimeter Spielraum. Auch Singles sollten heute die Größe ihres Bettes überdenken. Früher war der Fall noch klar, da kam für den Alleinschläfer nur das 90-Zentimeter-Bett infrage. Es gab einfach nichts anderes. Außerdem war es praktisch und platzsparend, setzte aber auch deutliche Signale. Schläft man in einem Singlebett, bleibt man vermutlich auch lange Zeit Single. Wer sich selbst keinen Platz gönnt, hat davon auch nur wenig an andere abzugeben. Die schmalen Maße von 90 und 120 Zentimetern gibt es heutzutage kaum noch. Wie die Anzahl der Singles in Deutschland werden auch deren Betten immer größer. Das heutige Singlebett ist bei 1,40 Meter angekommen, Minimum. Die Größe vermittelt eindeutig den Beziehungsstatus, bietet aber bei Bedarf noch genügend Platz für zwei.

Es heißt, der Mensch braucht mindestens 10 bis 20 Zentimeter links und rechts, um in Ruhe schlafen zu können. Ein Meter ist damit für den Alleinschläfer die Mindestbreite. Je freier wir uns bewegen können, desto erholsamer wird die Nacht. Bietet das Schlafzimmer also genügend Platz für ein breites Bett, sollte investiert werden. Immerhin verbringen wir ein Drittel unseres Lebens darin.

Darf man den Partner fürs Schnarchen kritisieren?

Von Wolfgang Schmidbauer, Paartherapeut

Niemand schnarcht, weil er schnarchen will. Daher ist Kritik ungefähr so sinnvoll, wie den Partner für Haarausfall oder Magenschmerzen zu kritisieren. Umgekehrt sollten aber Schnarchende nicht den Partner kritisieren oder sich von ihm zurückgestoßen fühlen, wenn dieser sich neben einem Schnarcher oder einer Schnarcherin nicht entspannen kann. Bequeme Verfügbarkeit kann die Erotik in einer Beziehung erleichtern, aber auch einschläfern. Sich nachts oder im Morgengrauen ausgeschlafen zu besuchen ist auf jeden Fall erotisierender als der Versuch, durch gute Vorsätze aus Geröchel ein Schlaflied zu zaubern.

Nackt ins Bett – oder vielleicht im Nachthemd?

Von Isabell Hummel, Storemanagerin des Ladens "Sunday in Bed", München

Im Hochsommer ist es schön, nackt zu schlafen, und irgendwie kommt man sich dabei auch immer besonders hübsch oder sexy vor. Aber da wir in Deutschland leben, bekommen wir maximal 14 schöne heiße Nächte geschenkt, ansonsten ist uns kalt. Deswegen plädiere ich für generelles Wohlbefinden: Jeder muss so schlafen, wie er sich am besten fühlt. Gute Nachtwäsche sollte man gar nicht spüren. Manche bevorzugen Nachthemden, wegen der Beinfreiheit, andere fühlen sich im Gegenteil nur in Hosen wohl, weil das Hemd immer so hochrutscht. Witzig ist, dass immer mehr Männer nach Nachthemden fragen! Ich dachte, mein Vater sei damals der letzte Mann der Welt gewesen, der eins getragen hat. Selbst er hat das irgendwann aufgegeben. Revival des Männernachthemdes!

Darf der Schreibtisch im Schlafzimmer stehen?

Von Tillmann Prüfer

Menschen neigen dazu, das Schlafzimmer als Multifunktionszimmer auszulegen. Dort stapeln sich allerlei Kisten und Kartons, meistens befinden sich auch die Kleiderschränke dort. Oft gibt es einfach nicht genug Platz, um das Schlafzimmer zu dem zu machen, was es idealerweise sein sollte, ein Tempel, im dem wir unsere Abkehr vom Bewusstsein und unsere Intimität feiern. Besonders beliebt ist die Kombination von Schlaf- und Arbeitszimmer. Dies hat allerdings zur Folge, dass man ein Zimmer hat, in dem man weder gut schlafen noch gut arbeiten kann. Wie will man in die Traumwelt hinüberdümpeln, wenn man dabei all die liegen gebliebenen Projekte auf dem Schreibtisch im Blick hat – und sollen die das Erste sein, was man am Morgen sieht? Genauso schwer ist es, konzentriert zu arbeiten, wenn man im Rücken das Bett hat, das ständig nach einem ruft. Besser, man verzichtet auf den Schreibtisch und arbeitet am Esstisch. Ein berühmter Nutzer eines Schlaf-Arbeits-Zimmers war übrigens Friedrich Schiller. Er hatte das Bett in seiner Schreibstube. Was dazu führte, dass er in unmittelbarer Nähe zum Schreibtisch starb. Wer möchte das schon?