Wie lange soll man schlafen?

Von Jürgen Zulley, Schlafforscher

Deutsche schlafen im Durchschnitt etwa sieben Stunden (und zwar von 23.04 Uhr bis 6.18 Uhr, zuvor brauchen sie noch 15 Minuten zum Einschlafen). Es gibt Kurz- und Langschläfer, eine Schlafdauer von fünf bis neun Stunden kann als normal gelten, wenn man sich damit am Tage fit fühlt. Man hat immer dann genügend geschlafen, wenn man im Verlauf des Tages überwiegend leistungsfähig ist. Die Schlafdauer hängt von den Genen ab, vom Alter, von der Jahreszeit (im Winter schläft man länger), vom Geschlecht (Frauen brauchen mehr Schlaf), von Krankheiten (sorgen ebenfalls für größeres Schlafbedürfnis) und von der Gewohnheit. Allerdings wird die Schlafdauer überschätzt: Für den Erholungswert ist die Qualität und weniger die Dauer des Schlafes entscheidend.

Kann das Handy den Wecker ersetzen?

Von Tillmann Prüfer

Früher war der Wecker der Feind des Menschen. Er holte einen unerbittlich aus den Federn, ein Anwalt des Arbeitstages. Niemand wäre auf die Idee gekommen, den Wecker als seinen Freund zu bezeichnen. Bis auf den »Braun AB 1« von Dieter Rams hat es kein Wecker zu Kultstatus gebracht. Und das allmähliche Verschwinden des Weckers ist so auch nicht von sentimentalen Nachrufen begleitet worden. Es hat eben niemand eine angenehme Erinnerung an einen Wecker. Die einzige Evolution, die er erfahren hat, ist die schrittweise Entkräftung. War es einst ein infernalisches Rasseln, das über den Schlafenden hereinbrach, schwächte sich dies beim Digitalwecker zum monotonen Piepen ab. Das ließ sich später durch die Schlummertaste zeitweise aussetzen. Die jüngste Generation von Weckern versucht durch Imitation von Sonnenaufgängen und Vogelgezwitscher, das Aufwachen zu einer Art Wellness-Erlebnis zu machen. Die meisten Menschen aber legen einfach ihr Handy oder Smartphone neben das Kopfkissen. Weshalb man nicht nur im schlimmsten Fall durch böse Marimba-Klänge geweckt wird, sondern auch noch in nächtlicher Bereitschaft für jeden verharrt, der zufällig die Handynummer hat (jedenfalls wenn man vergessen hat, den Flugmodus einzuschalten). Zwar gibt es nun nicht mehr das unfreundliche Gerät, das uns aus unseren Träumen schüttelt. Aber dafür sind wir dem noch viel unfreundlicheren Gerät, das uns durch den Tag treibt, auch noch nachts ausgesetzt. Und sobald wir aufgewacht sind, müssen wir unsere E-Mails checken. Da spricht einiges dafür, sich wieder einen Wecker anzuschaffen. Leider gibt es den Braun-Wecker nicht mehr. Erhältlich ist nur eine chinesische Kopie, die äußerst unzuverlässig ist und auch noch unerträglich laut tickt. Ein Wecker, der einen nicht einschlafen lässt, ist schlimmer als jedes Handy.

Reicht eine Decke wirklich für zwei?

Von Friederike Milbradt

Der erste große kulturelle Unterschied zwischen uns offenbarte sich in meinem Schlafzimmer. Als mein englischer Freund es zum ersten Mal betrat, konnte er es kaum glauben: zwei Einzeldecken auf einem Doppelbett? Was ist da los? Mit mir? Mit den Deutschen? Wo ist die Romantik? Das Aneinanderkuscheln beim Einschlafen? Die Erotik? Für Briten, Amerikaner und Franzosen ist es tatsächlich unvorstellbar, als Paar nicht unter einem gemeinsamen Federbett zu schlafen. Die Deutschen sehen das anders. Hierzulande waren beispielsweise nur 15 Prozent der im September 2012 bei Ikea gekauften Bettdecken mit Größe XL groß genug für zwei. Mein Freund musste sich auf den Praxistest einlassen. Und siehe da: Alle Befürchtungen waren unbegründet. Er gab nach ein paar Tagen sogar zu, mit einer eigenen Decke viel besser zu schlafen. Er müsse sich nicht sorgen, mir meinen Anteil wegzuziehen, und schlafe lieber unter dem dünneren Modell, unter dem ich frieren würde. Und in England, sagt er, sei nicht selten die gemeinsame Bettdecke Grund für einen Streit.

Sind Kopfhörer eine gute Idee?

Von Christoph Amend

Eigentlich möchte man sich im Bett nicht mit Elektrogeräten umgeben. Aber sie können ihren Sinn haben – wie der Kopfhörer. Wer ganz gern abends eine halbe Stunde fernsieht vor dem Einschlafen, in einer Beziehung lebt, diese nicht ruinieren und kein Fall für Wolfgang Schmidbauer werden möchte, dem sei ein schnurloses Modell empfohlen, zum Beispiel von Sennheiser. Das Schönste: Man muss sie nur abnehmen, schon schalten sie sich von selbst aus.

Soll man den Stauraum unterm Bett nutzen?

Von Julia Knecht

Noch immer schweben die Worte der Eltern aus früheren Jahren durch den Raum, wie praktisch doch ein Bettkasten sei. Ob Winter- oder Sommerbetten, ob Decken, Klamotten, Spielzeug oder Dinge, die man eben gerade in diesem Moment gar nicht braucht, alles findet dort seinen Platz. Im wundersamen Bettkasten. Doch spätestens beim Kauf des ersten eigenen Bettes wird dieser Aspekt des zusätzlichen Stauraums komplett ausgeblendet. Man konzentriert sich eher auf Fragen des Designs, Materials, Preises – und, ach ja, vor allem bequem soll es sein. Und unters Bett? Nur leere Flächen lassen das Bett wirklich gut aussehen und den Blick nach oben wandern, wo er hingehört. Wer möchte schon durch Schuhkartons oder alte Socken abgelenkt werden? Vielleicht ist der Bettkasten ja doch eine gute Alternative zum ewigen Platzproblem, aber empfehlenswerter ist der Keller, wo man die unwichtigen Dinge wirklich nicht sieht. Ansonsten hilft nur noch, sich einfach mal öfter von geliebten Sachen zu trennen.

Was gehört in den Nachttisch?

Von Linda Kantchev

In Hotelzimmern sicher zu finden: die Bibel im Nachttisch. Gegen geheime Laster, deren Relikte im privaten Nachttisch verborgen sind, ist sie moralischer Statthalter. Denn was unsere Triebe befriedigt, hat im Verborgenen dieser Schublade Platz. In Greifnähe findet man, was bettnah zur Hand sein muss, aber sonst keinen angeht: die Geheimration Schokolade, ein hirnlos unterhaltsames Buch oder die extragroßen Noppenkondome. Das ungeschriebene Gesetz ist bekannt – hier darf man nur mit Einladung ran. Dabei wäre der unbefangene Blick in die Nachttische von Ehepartnern, Freunden, vielleicht sogar den Eltern sicherlich ganz erfrischend. Im schlimmsten Fall böten sich kreative Anlässe, in diesen Beziehungen einmal Tacheles zu reden. Ob Peitsche oder Bibel, keines von beiden muss man sich antun, wenn man keine Lust dazu hat.