Es war eine Gala-Farce, mit der sich vergangene Woche der parlamentarische Untersuchungsausschuss, der Licht in ein umfangreiches Portfolio an Affären bringen sollte, von der Öffentlichkeit verabschiedete. An der Seite eines Leibwächters gab sich der Geschäftsmann Martin Schlaff, geschätztes Vermögen: zwei Milliarden Euro, die Ehre. Er war die einzige Auskunftsperson, von der man sich Aufklärung über das komplexe Geschehen rund um den Erwerb zweier Mobilfunkbetreiber in Bulgarien und Weißrussland durch die teilstaatliche Telekom erhoffte. Schlaff war als Zwischenhändler in den Kaufprozess involviert gewesen und hatte bei beiden Deals außergewöhnlich hohe Gewinne erzielt, die den Verdacht krummer Geschäfte geweckt hatten. Ein Fall für die Aufdecker aus dem Hohen Haus mithin. Sie fieberten einer vermeintlichen Sternstunde entgegen.

Martin Schlaff ist ein verschwiegener Mann, an dem sich in den vergangenen Jahrzehnten bereits Ermittlungsbehörden in Deutschland, Israel und den USA die Zähne ausgebissen hatten. Nun wollten ihn die Wiener Kleininquisitoren Stefan Petzner und Peter Pilz in die Knie zwingen. Schlaff unterdrückte erst gar nicht seine Verachtung für die Worthelden, die meist mehr behaupten, als sie belegen können. Man möge doch mit Rücksicht auf die Kosten für den Steuerzahler die Befragung gleich wieder beenden, gab er zu bedenken: Er werde ohnehin bei jeder Frage sein Recht nutzen, sich der Aussage zu entschlagen, da gegen ihn ermittelt werde. Das tat er dann, oft nach skurrilen Wortduellen, gleich 72-mal. Neuer Ausschussrekord. Als er das Parlament wieder verließ, blieben die Mandatare wie ein Häuflein vorlauter Schuljungen auf dem Pausenhof zurück. Erkenntnisgewinn: null.

Das war das Finale eines Befragungsmarathons, der vor einem Jahr hoffnungsvoll begonnen hatte und nun nach 53 Verhandlungstagen unrühmlich entschlief. Anfangs hatten die Parteien durchaus noch den Willen bewiesen, jene Zeit und Geduld aufzubringen, derer es bedarf, die verworrenen Stränge der Verdachtsfälle zu entwirren. Mühevoll arbeiteten sich die Ausschussmitglieder in den einzelnen Fällen von den kleinen Helfern zu den eigentlichen Drahtziehern vor.

Die Taktik zeitigte auch Ergebnisse. Etwa in jener Sitzung im Mai, in welcher der einstige Kabinettschef des ehemaligen Finanzministers Karl Heinz Grasser, Heinrich Traumüller, mit Notizen konfrontiert wurde, die er in seinem alten Schreibtisch vergessen hatte. Die belegten, dass sein Exchef wesentlich tiefer in die skandalumwitterte Privatisierung des Immobilienimperiums der Buwog verstrickt war, als er bis dahin hatte glauben machen wollen. Nach einer Stunde intensiver Befragung knickte der loyale Grasser-Mitarbeiter ein, tauchte anschließend ab und legte später vor der Staatsanwaltschaft eine umfangreiche Aussage ab.