Präsident Barack Obama und sein Rivale Mitt Romney behaupten beide, ein Rezept gegen das größte Übel zu haben, das Amerika plagt: den anhaltenden Mangel an Jobs . Obama fordert: Mehr Bildung! Mit der richtigen Ausbildung würden die Menschen schon wieder Jobs finden. Mitt Romney sieht das ganz anders . Er glaubt, dass die kleinen und mittelständischen Unternehmer für die Jobbeschaffung zuständig seien, und diese job creators müsse man motivieren, indem man ihre Steuern senke.

Dass etwas passieren muss – darüber zumindest sind sich die Kandidaten fürs Weiße Haus einig. In diesem Monat kam zwar die gute Nachricht , dass die Arbeitslosenquote zum ersten Mal seit Beginn der Krise wieder unter acht Prozent gefallen sei, doch ein Grund zum großen Jubeln ist das noch nicht. Nach wie vor suchen 20 Millionen Amerikaner Arbeit – das schließt diejenigen mit ein, die zwar einen Job haben, aber eigentlich länger beziehungsweise mehr arbeiten wollen. 40 Prozent der Arbeitslosen sind bereits seit mehr als einem halben Jahr ohne Beschäftigung.

Doch was taugen da die Rezepte der Präsidentschaftsbewerber?

Obamas Pläne mit der Bildung für mehr Arbeitschancen haben ein Problem: Es findet schon sehr viel Bildung statt. Ende der neunziger Jahre meldeten sich 44 Prozent der Highschool-Absolventen zum College an – heute sind es 60 Prozent. Eine ganze College-Industrie ist entstanden, dazu gehören auch viele Einrichtungen, die bei Kritikern als »Diplom-Mühlen« verschrien sind: Institutionen, die satte Studiengebühren kassieren für Ausbildungsgänge, die im Berufsleben kaum Anerkennung finden.

Sogar die Abschlüsse der extrem teuren Elite-Universitäten und der staatlichen Colleges bieten längst nicht mehr die Garantie auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz. »Ist College ein lausiges Investment?«, fragte jüngst das US-Nachrichtenmagazin Newsweek . Der deutschstämmige Silicon-Valley-Investor Peter Thiel sorgte für eine heiße Debatte, weil er jungen Highschool-Absolventen Geld anbietet, damit sie nicht aufs College gehen. Stattdessen sollen sie das Kapital dafür verwenden, eine eigene Firma zu gründen.

Das ist auch nicht unlogisch. Eine wachsende Zahl von Amerikanern findet inzwischen ihre Arbeit in Bereichen, für die es keinen Titel braucht. Ganz vorne beim Wachstum liegen Stellen für Krankenschwestern, Pflegehilfskräfte, Kundendienstleister, Jobs im Bereich Fertiggerichte und Fast Food sowie für Controller, Buchhalter und Uni-Professoren. Nur für die letzteren Berufe ist ein Bachelorabschluss die Voraussetzung, und einzig der Professur benötigt einen Doktortitel.

Obama geht auf dieses Problem schon ein: Er will mehr praxisorientierte Lehrgänge fördern. Deutschlands duales System gilt als vorbildhaft. Bis die Maßnahmen greifen, wenn sie es überhaupt tun, braucht es allerdings Zeit. Und auch dann ändern diese Anstrengungen nichts an der Tatsache, dass Ausbildung noch keine neuen Jobs schafft (außer bei den Ausbildern). Mehr Jobs gibt es nur, wenn Unternehmen sie schaffen.