Wagner ohne Bayreuth geht. Wagner mit nur 70 Mann im Orchester statt mit 120 geht auch, siehe Minden oder Meiningen. Wagner ohne Wagnerstimmen geht zwar nicht, wird aber gehend gemacht. Und Wagner ohne Textverständlichkeit ist längst ebenso an der Tagesordnung wie Wagner ohne Bärenfell und Hellebarde und Wagner ohne Pianokultur. Man kann echt viel weglassen von unserem liebsten Mythos.

Die Hälfte des Rings des Nibelungen etwa. Geht gut, sagt der Pianist, Schallplattenproduzent und selbst ernannte Wagner-Weightwatcher Cord Garben und dampfte die Gesamtaufführungsdauer der Tetralogie von 16 auf schlanke sieben Stunden ein: Wozu Jung-Siegfried drei Schmiedelieder schmettern lassen, wenn es eines tut? Wozu Erda und die Nornen und all die quälenden Quasseleien zwischen Wotan und Brünnhilde, wenn die Handlung sie nicht braucht? Aus vier Teilen wurden so auf dem Papier zwei (Die Walküre, Siegfrieds Tod), gespielt werden soll an einem Abend.

Ohne Probebühnendekoration, Requisite, Regieassistenten und Sänger freilich geht selbst ein halber Ring nicht. Diese Erfahrung musste nun Katharina Wagner machen, Bayreuths Festspielchefin, die die Garben-Fassung am legendären Teatro Colón in Buenos Aires in Szene setzen wollte. Das heißt: Sie flog 13 Stunden hin, stapfte durch leere Werkstätten und Garderoben – und flog 13 Stunden wieder zurück. Die Zeit zwischen den Flügen, in der Intendant Pedro Pablo García Caffi die Idee hatte, es "irgendwie anders" zu versuchen, nämlich ohne Probebühnendekoration, Requisite, Regieassistenten und Sänger, reichte exakt, um den Flieger auf dem Rollfeld von Ezeiza zu reinigen und zu betanken. Als die Regisseurin und Komponisten-Urenkelin anmerkte, Wagner mit ohne nix ginge nicht, knallte Caffi mit den Türen und verschwand. Auch ein mieser Ruf verpflichtet.

Man wisse für Ersatz zu sorgen, heißt es derweil aus Buenos Aires, sollte die pingelige Fränkin sich nicht besinnen. Sie könne sich das Projekt locker woanders vorstellen, kontert Katharina Wagner, und die Juristen freut’s, auf beiden Seiten. Nur die Urvölker dieser Erde, von der Beringstraße bis Neuseeland, schauen mal wieder in die Röhre. Sie vor allem sollten vom Instant-Ring profitieren, auf Tournee hätte man ihn 2013 geschickt, die hintersten Weltwagnerwinkel zu erkunden und urbar zu machen. Das kann man jetzt vergessen. Wagner ohne Wagner vermarkten wollen? Da lachen ja die Pinguine.