"Albert R. Broccoli presents" – dieser Verweis im Vorspann gehört zu James-Bond-Filmen wie der Martini, der Aston Martin oder die immer zur rechten Zeit bereitstehende Flasche Champagner. Dahinter verbirgt sich ein Produzenten-Mythos: Albert "Cubby" Broccoli, geboren 1909 in Long Island, New York, ist der Erfinder der Kinofigur James Bond.

In den dreißiger Jahren verschlug es den Sohn italienischer Einwanderer nach Hollywood, wo er auf den Filmsets des Multimillionärs Howard Hughes diverse Jobs erledigte: Er chauffierte die Filmdiva Jane Russell und überschüttete den betrunkenen Wildwest-Star Robert Mitchum morgens mit kaltem Wasser. Der elegante Schauspieler Cary Grant wurde sein Freund und Trauzeuge.

In den fünfziger Jahren ging Broccoli nach England, wo er eine eigene Produktionsfirma gründete und die Agentenromane eines gewissen Ian Fleming entdeckte. Sofort witterte der junge Produzent die Goldgrube. Gemeinsam mit seinem damaligen Geschäftspartner Harry Saltzman erwarb Broccoli 1961 die Filmrechte an Flemings Romanen und Kurzgeschichten. Der Agent 007, der als Romanfigur ein eher unscheinbares Dasein gefristet hatte, wurde plötzlich ein Knüller und über fünfzig Jahre hinweg in 23 Bond-Filmen zum erfolgreichsten Kinostar aller Zeiten.

Albert R. Broccolis Tochter Barbara, geboren 1960 in Los Angeles, spielte schon als Kleinkind auf den Bond-Sets der ganzen Welt. Sie verbrachte ihre Kindheit in London und absolvierte in L.A. ein Studium der Film- und Fernsehkommunikation. Anfang der achtziger Jahre kam sie zur Londoner Bond-Produktionsfirma EON ihres Vaters: als Regieassistentin bei den Bond-Verfilmungen Octopussy und Im Angesicht des Todes mit Roger Moore. Später wurde sie Produktionsassistentin.

1995, während der Vorbereitung von GoldenEye mit Pierce Brosnan, übergab der schwer kranke Albert R. Broccoli seiner Tochter Barbara und ihrem Stiefbruder Michael G. Wilson die Bond-Geschäfte. Gemeinsam mit Wilson führte Broccoli die Serie geschickt ins neue Jahrtausend. Sie inthronisierte Judi Dench als Bonds Vorgesetzte M und setzte den zunächst sehr angefeindeten Daniel Craig als neuen Bond durch. Das Kinopublikum gab ihr recht: Casino Royale, der erste 007-Film mit Craig, wurde mit einem Einspielergebnis von 600 Millionen Dollar zum gewinnbringendsten Bond, den es je gegeben hatte – der Nachfolger Ein Quantum Trost schaffte noch einmal genauso viel.

Auch unter der neuen Ägide setzt sich die Familientradition fort: James Bond wird vom Broccoli-Clan nach wie vor wie ein enger Verwandter behandelt, dessen Image und Integrität es zu schützen gilt, mit Vorliebe durch die Familienbande der Produzentin. Barbara Broccolis Stiefbruder Tony überwacht die Bond-Filme als Spezialist für Unterwasseraufnahmen, ihre Stiefschwester Tina ist gelegentlich als Dekorateurin dabei. Und die nächste Generation der Bond-Broccoli-Dynastie steht schon am Start: Barbara Broccolis Nichte und der Sohn eines Stiefbruders sind bereits ins milliardenschwere Familienbusiness eingestiegen.