Also Entwarnung für alle, die höchstens 100.000 Euro anlegen wollen? Nein, meint Dirk Schröllkamp, Geschäftsführer der Vermögensberatung Mercurion in Meerbusch bei Düsseldorf. "Wenn eine Bank pleitegeht, dürften die jeweiligen Staaten nicht sonderlich erpicht darauf sein, das Geld schnell an ausländische Anleger auszuzahlen." Schrölkamp befürchtet vielmehr, dass die Staaten zunächst prüfen, ob sie um eine Zahlung herumkommen – obwohl sie laut EU-Statuten formell verpflichtet wären, binnen 20 Tagen zu überweisen. Zitterpartien wie damals bei Kaupthing sind also nicht auszuschließen. Zumal kein gemeinsamer, prall gefüllter EU-Topf existiert, aus dem die Summe von 100.000 Euro pro Sparer im Fall einer Bankenpleite ausgezahlt werden könnte. Gegen entsprechende EU-Pläne gibt es erbitterten Widerstand.

Sparer sollten deshalb davon ausgehen, dass die jeweilige nationale Einlagensicherung zuständig ist. Und deren Mittel könnten schnell ausgeschöpft werden. "Betroffene Deutsche könnten gezwungen sein, sich einen Anwalt zu nehmen und ihre Ansprüche vor Ort einzuklagen", warnt Schröllkamp.

Hinzu kommt: Bankenpleiten sind heute längst kein theoretisches Szenario mehr. Einige Institute, die laut FMH zu den Top-Anbietern gehören, würden bei größeren Turbulenzen ins Schlingern geraten – zumindest glauben das die internationalen Rating-Agenturen wie Moody’s oder Standard & Poor’s. DenizBank und NIBC haben ein Rating im B-Bereich. Das heißt, dass ihre Bonität von Experten lediglich als befriedigend oder ausreichend eingestuft wird. Zum Vergleich: Institute wie die Deutsche Bank, die Commerzbank oder die Volkswagen Bank, die derzeit 1,8 Prozent fürs Tagesgeld offeriert und damit als eine der wenigen deutschen Banken unter den Top-Anbietern vertreten ist, liegen im A-Bereich. Eine Garantie ist das zwar nicht, aber doch eine beruhigende Botschaft.

Doch warum bieten Banken mit mittelprächtiger Bonität solche Kampfzinsen? Womöglich, um Finanzierungslücken zu schließen. Einlagen von Privatanlegern seien neben Eigenkapital die "stabilste Refinanzierungsmöglichkeit einer Geschäftsbank", heißt es in einer aktuellen Studie von Deutsche Bank Research. Und diese werde derzeit immer wichtiger, so die Autoren, vor allem wegen einer "höheren Risikoaversion" im Finanzsektor und "regulatorischen Anforderungen". Damit sind die neuen internationalen Vorschriften namens Basel III gemeint, die von 2013 an schrittweise in Kraft treten und höhere Eigenkapitalquoten und Liquiditätsreserven für Finanzinstitute vorschreiben. Das spricht dafür, dass der Kampf um die Sparer weitergeht. Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger etwa prognostiziert einen "zunehmend harten Wettbewerb" um Kundeneinlagen.

Das sollte Anleger nicht beunruhigen – im Gegenteil. Denn neben der Zahl zweifelhafter Angebote steigt durch den Wettbewerb auch die Zahl attraktiver Alternativen zur Hausbank. Und es spricht nichts dagegen, Top-Angebote zu prüfen – auch solche von ausländischen Newcomern. Wer dann zu dem Ergebnis kommt, dass das Finanzinstitut solide ist, und darüber hinaus der EU-Einlagensicherung vertraut, kann einen Wechsel wagen.

Manchmal wird der auch dadurch beschleunigt, dass einheimische Banken ihre bestehenden Kunden nicht immer fair behandeln: So beschränken Top-Anbieter wie die Volkswagen Bank oder die 1822 direkt, die derzeit rund zwei Prozent fürs Tagesgeld bieten, diese lukrative Offerte laut FMH auf neue Kunden.

Hier agieren einige Geldhäuser aus dem Ausland anlegerfreundlicher und verzichten auf Lockangebote mit Einschränkungen im Kleingedruckten. So betont Lisbeth Rigter, Geschäftsführerin der ABN-Amro-Tochter MoneyYou, dass "alle unsere Zinssätze sowohl für Bestands- als auch für Neukunden" gelten. Und Bertil Bos, Deutschland-Chef der zur Lloyds Banking Group gehörenden Bank of Scotland, übt harsche Kritik an den etablierten Banken in Deutschland: "Während Neukunden gerne hofiert werden, müssen sich Bestandskunden häufig mit deutlich schlechteren Konditionen zufriedengeben."