Ist unsere Bildungsministerin Dr. Annette Schavan eine Fälscherin? Muss sie der Universität Düsseldorf den Doktortitel zurückgeben? Nein, sagen wir, das muss sie nicht, denn eine theologische Dissertation wie das Opus magnum von Dr. Schavan hat eine unsterbliche biblische Wahrheit zum Gegenstand, die ein sterblicher Mensch nicht verändern, sondern nur huldvoll wiederholen darf. Geben wir ein Beispiel: Warum mussten sich Josef und Maria zu Ochs und Esel in einen Stall flüchten? Weil die Spießer von Bethlehem das Landstreicherpaar in Jesuslatschen nicht in ihre gute Stube lassen wollten? Weil sie nicht wussten, ob der Mann, der sich im Dunkeln als Herr Josef vorstellte, wirklich der Kindsvater war? Diese Antwort ist leider richtig falsch. Richtig ist: Jesus musste ganz unten in einer Futterkrippe geboren werden, weil nur der Niedrigste wahrhaft erhöht werden kann. Gott persönlich hat dies entschieden, und auch einem theologischen Laien wird einleuchten, dass diese schöne übermenschliche Wahrheit nicht durch törichte menschliche Originalitätssucht verfälscht, sondern nur demütig wiederholt werden darf. Oder um einem Düsseldorfer verständlich zu bleiben: Was vor dem irdischen Auge wie ein Plagiat aussieht, ist im Auge des Jüngsten Gerichts so wahr wie das Evangelium selbst. Was erwartet die Düsseldorfer Kommission also? Sollte Frau Dr. Schavan die Wahrheit über Josef und Maria nur deshalb fälschen, um vor ungläubigen Gutachtern als ehrliche Wissenschaftlerin dazustehen? Wie verlogen ist das denn! Wer nun glaubt, diese Wahrheit sei eine Lüge, der müsste auch Gott für eine Fälschung halten, was wiederum nur der Teufel wissen kann, den aber auch noch niemand im Original gesehen hat. Ist damit Frau Dr. Schavan überführt? Im Gegenteil: Wenn alles eine Fälschung ist, der Himmel und auch die Erde, kann ihre Doktorarbeit erst recht keine Fälschung sein, denn in einer vollkommen gefälschten Welt ist die Unterscheidung zwischen wahr und falsch logischerweise sinnlos, zumal dann auch die Düsseldorfer Gutachter mutmaßlich eine Fälschung wären und sie der Wahrheit die Ehre geben und einfach abtreten sollten. Keine wahren Gutachten im falschen Leben. Doch selbst wenn Frau Dr. Schavan fälschlicherweise abtreten würde, stünde sie wie Karl-Theodor zu Guttenberg bald wieder unverfälscht auf der politischen Bühne, sie würde einfach auferstehen, mit funkelnagelneuer Brille und frischer Frisur, um abermals eine Wahrheit zu suchen, die wir alle nach dem Auszug aus dem Paradies verloren haben. Wollen wir das?