Sie kennen Aktien? Auch Anleihen? Nun gut. Aber kennen Sie Aktienanleihen? Hinter diesem paradoxen Wort stecken Bankprodukte, die aktuell mit hohen Zinsen locken, teils mit 13,75 Prozent – auf ein Jahr gerechnet. In Zeiten, in denen die Renditen vieler Anlagen kaum die Inflationsrate ausgleichen, klingt das toll. Aktienanleihen erfreuen sich daher großer Beliebtheit, rund 4,5 Milliarden Euro haben deutsche Anleger im Moment darin investiert. Doch eine Lehre der Finanzkrise lautet: keine Rendite ohne Risiko. Und die Risiken von Aktienanleihen sind enorm.

Vereinfacht gesagt, borgt der Anleger der Bank, die ihm eine Aktienanleihe verkauft, Geld. Die Zinsen, die er dafür bekommt, sind ihm sicher und deshalb so hoch, weil er der Bank erlaubt, das Geld am Ende der Laufzeit in bar oder in Aktien zurückzuzahlen (bei einer Aktienanleihe BMW wären das Aktien von BMW). Bei ihrer Entscheidung orientiert sich die Bank an einem Schwellenwert. Liegt der Kurs der Aktie darüber, zahlt die Bank das Geld in bar aus. Liegt der Kurs darunter, gibt die Bank dem Anleger Aktien.

Das Problem: Die Zahl der Aktien steht von Anfang an fest. Bei einer Anleihe von 1000 Euro und einem Schwellenwert von 100 Euro sind es zum Beispiel 10 Aktien. Liegt der Kurs am Ende bei 120 Euro, erhält der Anleger die 1000 Euro in bar – und ihm entgehen die 200 Euro Gewinn, die er erzielt hätte, wenn er die Aktien direkt gekauft hätte. Liegt der Kurs indes bei 80 Euro, erhält der Anleger die Aktien – die ihm nur 800 Euro bringen, sofern er sie verkauft. Dann kann er nur hoffen, dass die Zinsen den Verlust kompensieren. Alternativ kann er die Aktien natürlich behalten. Dann muss er hoffen, dass ihr Kurs steigt.

So stark, wie die Aktienmärkte derzeit ausschlagen, sind Aktienanleihen große Wetten. Schlimmer noch: Es sind Inhaberschuldverschreibungen. Geht die Bank pleite, ist das Geld weg. Und Produktblätter, die gut 20 Seiten lang sind oder mehr Risiken als Chancen auflisten, erinnern an eine zweite Lehre der Finanzkrise: Kaufe nur Produkte, die du auch verstehst.