Vorweg klärende Worte. Eine Frau schreibt über Männer. Das wirft bange Fragen auf, etwa die: Wie steht sie überhaupt zu Männern? Behelfsweise will ich eine Postkarte beschreiben, das Geschenk einer Freundin. Die Karte zeigt eine Frau mit dunklem Haar, kurzer Pony, über dem Pony steht die Frage: "Mann oder Hund?" Unter dem Kinn die Antwort: "Die Frage ist doch, lasse ich mir meinen Teppich versauen oder mein ganzes Leben?" Man kann sich das Kichern vorstellen, das diese Karte begleitete, irgendwas mit "Hab ich gesehen, musste ich gleich an Dich denken", geheuchelte Entschuldigungen im Stile von "Ist natürlich irgendwie gemein...".

Ja! Gemein! Ein Hund versaut einem nicht den Teppich. Einen Teppich kann man einrollen, falls nötig, auch mal zwei, drei Jahre lang. Zu lang? Wahr ist, auch zwei, drei Jahre mit einem Mann spielen sich nicht nur auf dem Teppich ab. Der Gegensatz Mann-Hund ist an den Haaren herbeigezogen, andersherum: Mit Hund lassen sich an Männern sehr schöne Seiten entdecken, unerwartet, vielleicht für sie selber.

Etwa neulich. "Ach, Mutter!", seufzte da ein älterer Herr aus der Tiefe seiner Seele beim Anblick des Tieres, "guck doch mal, ach je." Worauf über dem Kopf seiner Lady eine imaginierte Sprechblase aufpuffte, in der die Frage blinkte: "Wann hat er mich zuletzt so zärtlich angesehen?" Ja, wann? Oder damals die Kinder? Standardvorwurf, muss sie ja gar nicht mehr formulieren. Zu wenig gekümmert! Aber wie viel Zeit war denn im Leben eines Mannes, der heute der letzten Etappe entgegenschlendert, am Arm seiner Frau, die mit ihm ausgehalten hat, während er das Geld ranschaffte, im Office klare Kante zeigte, es wird ja viel erwartet von Männern, die so weit aufsteigen, dass sie später im Ruhestand diese teuren orangefarbenen Cordhosen tragen, auch so eine Demütigung. Anziehen, was einem hingelegt wird. Aber jetzt, kommt was auf vier pflaumigen Pfoten daher, und etwas öffnet sich, was? Sagen wir, so eine Ahnung, von etwas anderem. Etwas Verpasstem?

Es geht nicht um Altersmilde. Es steckt vielleicht, Statistiken über mangelhaft ausgeprägte Fürsorglichkeit hin oder her, in jedem Kerl. S-Bahnsteig Jungfernstieg, zwei junge Typen. Im Blaumann mit Gebrauchsspuren. Auf ihren Schultern liegt ein stählerner T-Träger, damit winden sie sich die Treppe hoch. Man fragt sich, wer den wohl gleich an den Kopf kriegt, da bellt der eine: "Digger, pass doch mal auf Bello auf!" Digger knurrt zurück: "Hab ich doch gesehen. Is voll süß!" Voll süß? Das sind nicht die Schlagzeilen, die man von Männern kennt, die Stahlkappen an den Schuhen tragen. Es ist, als würde so eine Hundeschnauze etwas anstupsen, das unter testosterongehärteten Muskelpaketen vergraben ist, vielleicht eine ins Genom hineingezwirbelte Erinnerung an Urzeiten, in denen das Leben sehr schön war. Davon lebt übrigens eine ganze Gattung der Sachbuch-Literatur. Mann zieht los mit Hund, durch Wälder, über Hügel. Bisschen jagen, nachts teilt man sich das Lager, entspanntes Rücken-an-Rücken. Keiner fährt rot lackierte Krallen aus oder will, dass man fünf Halbe auf ex kippt. Einfach durchschnaufen, pennen.

Apropos, kürzlich setzte sich ein Penner in der S-Bahn zu mir. Das ist nicht immer angenehm, beim Thema politisch korrekte Empfindung kann meine Nase noch dazulernen. Der Typ war aber sehr nett. Wollte wissen, wie es so ist, mit Hund. Ob ein junger Hund durchschläft. Wie lange es dauert, bis er stubenrein ist. Was man füttert. Kann man ihn alleine lassen, schadet ihm das. Themen, die ich mit dem Buch Erstes Jahr mit Baby vor langer Zeit abgelegt zu haben glaubte und jetzt mit diesem Penner hin und her wendete, es war wirklich interessant. Bis er sich plötzlich vorbeugte und sagte: "Darf ich mal fragen: Wie teuer ist eigentlich so ein Hund?"

Männer! Gehen doch leicht einen Schritt zu weit.