Wie das wohl wäre: Man steht in einer langen Schlange vor einem Club, in den man reinwill. Aber da ist der Türsteher, der für den Besitzer nur die Clubgänger raussucht, die cool genug sind. Wer schließlich nach ausgiebiger Prüfung ausgewählt wurde, muss nicht nur den Eintritt bezahlen, sondern zusätzlich auch noch den Türsteher. Obwohl der ja nichts für einen getan hat – sondern nur dem Clubbesitzer Arbeit abnimmt. Wäre das gerecht?

So ungefähr ist das mit Immobilienmaklern. Nur mit einem Unterschied: Dem Türsteher kann man den Rücken kehren, Ausgehmöglichkeiten gibt es genug. Aber an Maklern kommt man in deutschen Großstädten nicht mehr vorbei. Wer in Hamburg, München, Frankfurt oder in einigen Vierteln Berlins eine Dreizimmerwohnung mieten will, muss auf einen Schlag um die 5000 Euro für Maklerprovision, Kaution und die erste Miete bereithaben. Plus Umzug.

Für keinen Berufsstand fallen Mietern so viele Schimpfwörter ein wie für Makler. Das liegt nicht nur an den schlechten Vertretern der Zunft: den Maklern, die nichts über die Wohnung wissen, die sie anbieten. Den Maklern, denen man eine halbe Monatsmiete in bar zustecken muss, um die Wohnung zu kriegen. Den Maklern, die mit den Daten, die man ihnen mit der Bewerbung offenbaren muss – Gehaltsabrechnungen, Schufa-Auskunft, persönlicher Fragebogen –, so freigiebig umgehen, dass man später einen Anruf von einem Finanzdienstleister bekommt, der fragt, ob man denn ewig Miete zahlen wolle und nicht vielleicht doch ans Kaufen denke. Nein, diese schlechten Erfahrungen muss man nicht gemacht haben, um sich zu fragen: Warum um alles in der Welt bezahle ich jemandem viel, viel Geld, den ich nicht beauftragt habe und der einem Dritten die Arbeit abnimmt? Kann man das nicht einfach verbieten?

Doch, könnte man. Es wäre sogar ganz einfach. Hamburg plant, im kommenden Jahr im Bundesrat das "Bestellerprinzip" vorzuschlagen. Danach müsste nur derjenige den Makler bezahlen, der ihn beauftragt hat. Nordrhein-Westfalen hat schon angekündigt, die Hamburger zu unterstützen. Eine solche Regelung würde verhindern, dass die bestraft werden, die flexibel sind und häufig aus beruflichen Gründen umziehen. Und sie würde verhindern, dass bei ohnehin steigenden Mieten bald allenfalls Doppelverdiener ohne Kinder in den Innenstädten wohnen, weil nur sie es sich leisten können. anna kemper