Aufmerksamen Berlinreisenden dürfte in der jüngsten Vergangenheit aufgefallen sein, dass, wenn sie bestimmte, sehr hippe Stadtviertel durchstreifen, dort häufig auf den Begriff der Manufaktur stoßen. In Form von Eis-Manufakturen, Kissenbezug-Manufakturen, Pasta- oder Wasweißich-Manufakturen.

In diesen zahlreichen kleinen Läden bekommt man tatsächlich hier und dort, dann und wann, das ein oder andere, das es woanders nicht gibt. Und dem Wörterbuch zufolge ist eine Manufaktur auch genau das: ein Ort, an dem Dinge von Hand und in besonderer Qualität produziert werden.

Vor allem aber ist der Begriff der Manufaktur eine Modeerscheinung. Er hat das Werk abgelöst, das wiederum auf die Schmiede folgte, die beide einmal Ähnliches symbolisierten. Eine Pasta-Manufaktur ist zurzeit sehr hip, wohingegen ein Pasta-Werk oder gar eine Pasta-Schmiede überholt ist. Bitte meiden!

Zugegeben, es geht immer nur um Nudeln, aber eigentlich, und in den Szenevierteln der Hauptstadt ganz besonders, geht es ja immer auch um ein Lebensgefühl. Denn dort pulsiert Berlin, vibriert und erfindet sich gerade neu. Wenn Sie also nicht nur satt werden wollen, sondern zugleich einen aktuellen und höchst individuellen Lifestyle ausdrücken wollen, dann kaufen Sie Nudeln aus der Manufaktur.

Übrigens sind Sie damit weitaus altmodischer, als Sie vielleicht dachten. Und beweisen zugleich, wie sehr Sprache Ihre Einstellung zu gewissen Dingen bestimmt. Denn während ein schnöder Handwerksbetrieb heutzutage von vielen Großstädtern als vorgestrig belächelt wird, zollen sie einer Manufaktur jedwede gesellschaftliche Akzeptanz und Anerkennung. Man könnte darüber schmunzeln, aber im Grunde ist das doch eine wunderschöne Nachricht. Sie beweist, dass gute Ideen vor allem eines sind: Zeitlos.

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