Die Wahlen im Kanton Aargau vom vergangenen Sonntag brachten zwei Überraschungen mit sich: Die SVP konnte, entgegen den Prognosen, ihren ohnehin schon sehr hohen Wähleranteil von 32 Prozent leicht steigern, und die SP verlor erneut an Wählergunst, wenn auch nur marginal. Noch 15,2 Prozent der Aargauer stimmten für die Sozialdemokraten. Auf diese beiden Überraschungen gibt es eine Antwort: Mobilisierung. Während die SVP ihre Basis dazu bewegen konnte, den Wahlzettel einzuwerfen, gelang dies der SP nicht.

Berichtenswert ist dieser Umstand deshalb, weil der Kanton Aargau einer der wichtigsten überhaupt ist. Und weil das bescheidene Abschneiden der SP ein nationaler Trend ist. In fast allen Kantonen hat die Partei in den letzten Jahren an Wählerinnen und Wählern verloren. Nennenswerte Gewinne kann sie nur in Freiburg, St. Gallen und in der Waadt verzeichnen.

Wie in vielen Kantonen ist der Abstieg der Sozialdemokraten auch im Aargau dramatisch. 1997 hatte die SP im Großrat, dem kantonalen Parlament, noch einen Sitz mehr als die SVP, heute verfügt sie nur noch über halb so viele Mandate wie die Nationalkonservativen. Das alles ist erstaunlich, sollten diese Zeiten, in denen die Ungleichheit wächst und dem Staat wieder mehr Macht und Eingriffsmöglichkeiten zugestanden werden, doch für einen Aufstieg der Sozialdemokratie sprechen. Was also läuft schief?

Anruf beim eben wiedergewählten Aargauer SP-Regierungsrat Urs Hofmann, einem Mann, der dieses Image ausstrahlt, das so vielen Sozialdemokraten in Exekutivämtern eigen ist: besonnen, umsichtig, einer, der für alle da ist. Aber der Mann zeigt sich, trotz seiner glanzvollen Wiederwahl, in Sachen Sozialdemokratie "sehr besorgt". Er sagt: "Wir haben ein eklatantes Mobilisierungsproblem. Wir können viele Menschen offenbar nicht mehr begeistern, uns zu wählen, auch wenn sie uns eigentlich wohlgesinnt sind. Ich merke, dass sich einige unserer Mitglieder sogar genieren, ihre Freunde und Bekannte für die SP zu gewinnen. Das kann nicht sein." Die Partei habe auch Mühe, gute Köpfe für die Arbeit im Kantonsparlament zu finden. "Viele unserer Besten bleiben auf der kommunalen Ebene stecken, sie werden nicht kantonal sichtbar, ich denke da etwa an unsere Stadträtinnen in Aarau und Baden."

Was also ist zu tun? Man müsse wieder mehr auf die Menschen zugehen, sagt Hofmann. Er schlägt vor, dass die Partei Hausbesuche macht, so wie es im US-Wahlkampf gang und gäbe ist. Der Regierungsrat hat ausgerechnet, dass die 3.500 bis 4.000 kantonalen Mitglieder und Sympathisanten, welche die Partei in ihrer Kartei hat, nur jeweils drei Leute dazu bringen müssten, die SP-Liste einzuwerfen: "Dann hätten wir zehn zusätzliche Sitze im Großrat."