In ihrem Leben passierten immerzu paradoxe Dinge. So machte sie aus der Not eine Tugend, galt aber nie als tugendhaft. Sie war erfolgreich als Geschäftsfrau, wurde aber oft verspottet. Doch das vielleicht traurigste Paradox war, dass sie das Fliegen über alles liebte – und ihren ersten Mann ausgerechnet bei einem Flugzeugunglück verlor. Was die junge Witwe freilich nicht davon abhielt, bald wieder ins Cockpit zu steigen – womit sie in dieser Situation ihr eigenes Leben retten konnte. So mutig soll sie schon als Kind gewesen sein. Es hieß, dass sie es Ikarus hatte gleichtun wollen und dabei vom Dach gestürzt war. Nur zehn Jahre später erfüllte sich ihr großer Traum: Die Tochter aus liberalem Elternhaus – die Mutter war Kinderärztin, der Vater Gutsbesitzer – konnte sich als Frau in der Männerwelt durchsetzen. Wieder so ein Paradox, wenn man bedenkt, dass das Frauenbild zu jener Zeit erzreaktionär war. Und noch dies: Obwohl sie recht früh für mehr weibliche Selbstbestimmung gefochten hatte, wurde sie später von Feministinnen beschimpft.

Doch solche gesellschaftlichen Dinge hätten sie eigentlich nie interessiert, sagte sie später; sie sei immer nur ihren persönlichen Wünschen gefolgt. Dabei war es letztlich der Erfolg, der ihr Auftrieb gab. In dem Maße, wie ihre Firma expandierte, genoss sie große Unabhängigkeit. Richtete sich ein Haus am See und dazu im Land der unbegrenzten Möglichkeiten einen Zweitwohnsitz ein. Den nutzte sie wohl, um bei Bedarf auf Distanz zu gehen, denn daheim gab’s immer wieder Stress und Ärger. Bis "die Leute" ihren Lebensstil und ihr Lebenswerk akzeptierten, sollte es Jahrzehnte dauern. Von heute aus gesehen, war sie eine Grenzgängerin mit Pioniergeist, stark, zuweilen starrköpfig, vor allem aber: ungemein geschäftstüchtig. Dass die sportliche Dame im Großmutteralter dann noch Tiefseetauchen erlernte passt nahtlos ins Bild. Privat musste sie harte Verluste verkraften, Eltern und Schwester starben jung, auch ihr erster Sohn starb vor ihr, ausgerechnet an der Krankheit, die sie selbst später besiegen konnte. Noch so ein tragisches Paradox. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 43:

Alessandro Graf von Cagliostro, eigentlich Giuseppe Balsamo (1743 bis 1795), vertrat die Nachtseite in einer aufgeklärten Zeit. Zarin Katharina hasste ihn, er war das Vorbild für Goethes "Großkophta" und Schillers "Geisterseher"