»Die Ausstellung«, warnt das Museum in seiner Einladung den Besucher, »behandelt Themen und zeigt Gegenstände und historische Darstellungen, die für Kinder und sensible Menschen ungeeignet sein könnten.« Wohl wahr. Es ist ein heikles, düsteres, auch unheimliches Thema, dessen sich Basels Historisches Museum in der alten Barfüsserkirche angenommen hat. Und es ist ein großes Thema, ein weites Feld: Schuldig – Verbrechen. Strafen. Menschen. lautet der Titel etwas modisch.

Doch hier geht es natürlich nicht um eine Reise in der aufgebrezelten Geisterbahn. Es geht um Kriterien, um eine Normengeschichte: Was war wann ein Verbrechen – oder nur ein kleiner Regelverstoß? Wer galt wann als schuldig? Wie wurde welches Verbrechen bestraft? Wer galt als kriminell und als Verbrecher? Wer entschied? Wie änderten sich Werte und Mentalitäten?

Die Schau setzt ganz auf Einzelstudien. In dreißig Kriminal-, Streit- und Rechtsfällen geht man den Fragen nach, quer durch die Epochen: vom eierlegenden Hahn, der ob seiner Verfehlung gegen die Natur vom Henker geköpft wurde, bis zu den streikenden Arbeitern im 19. Jahrhundert, von der Giftmörderin Susanna Schaub bis zu den Fußball-Hooligans heute. Objekte aus der Folter- und der Asservatenkammer, aus Gerichts- und Gefängnisarchiven (wie die eiserne Schandmaske, Bild oben) illustrieren eindringlich das fundamentale Thema.