Tsunami klingt nach Indonesien oder Japan – in der meerfreien Schweiz käme niemand auf die Idee, vor einem solchen Ereignis Angst zu haben. Katrina Kremer und ihre Kollegen von der Universität Genf entdeckten allerdings in Bohrkernen ein auffälliges Sediment (Nature Geoscience , online). Die Ablagerungen erzählen davon, dass sich im Jahr 563 ein gewaltiger Bergsturz ereignet hat. Gesteinsmassen aus den Alpen fielen in den Genfersee und lösten eine Flutwelle aus. Eine Simulation ergab: Würde sich der Bergsturz wiederholen, erreichte die Welle nach 70 Minuten Genf. Die Trichterform des Sees sorgte dafür, dass acht Meter hohe Wassermassen die Stadt überspülen würden. Das Risiko, schreiben die Autoren, existiere nicht nur dort. Bei vielen Alpenseen bestehe Tsunamigefahr.

Flutwelle 2

160 Millionen Jahre nach ihrem Tod liegen die Panzer von 1800 Schildkröten »wie gestapelt, dicht an dicht im Gestein«, sagt Walter Joyce von der Universität Tübingen. Mit Kollegen aus Berlin und chinesischen Paläontologen hat er eine Fundstelle in der Provinz Xinjiang im Nordwesten Chinas unter die Lupe genommen (Naturwissenschaften, online). Das Fossilienlager aus der Jurazeit ist vor einigen Jahren entdeckt worden. Wie es aber einst zu dem Massengrab in der beckenartigen Turpan-Senke kam, war ein Rätsel. Nun haben die Forscher die Ereignisse anhand der Sedimente rekonstruiert: Es herrschte Dürre; die Reptilien versammelten sich vor einem Wasserloch. Viele waren verendet, und ihre Kadaver zerfielen, als endlich der Regen mit ungeheurer Intensität kam. Eine Schlammwelle begrub die Tiere.