Warum Erwin Rommel? Es ist ja nicht so, dass im deutschen Fernsehen, das sich diese Woche wieder einen spektakulären Film über Hitlers Lieblingsgeneral gönnt, bisher trockene Abstinenz gegenüber der Gestalt geherrscht hätte. Der Historiker Hannes Heer, der die ARD-Produktion rezensiert hat (ZEIT Nr. 44/12), führt vier große Vorläufer auf. Was hat der Mann, den Historiker längst entzaubert haben, dass er sich zu steter Wiedervorlage empfiehlt?

Für das Nachkriegspublikum war seine Attraktivität leicht erklärlich. Der "Wüstenfuchs", der die Engländer in Nordafrika listig austrickste (bis er ihnen doch weichen musste), der Hitlers Favorit war und ihm zuletzt doch trotzte (wenn auch in Maßen), entsprach geradezu ideal dem Wunsch, aus dem Unheils- und Verbrechenszusammenhang des Krieges wenigstens eine Figur herauslösen zu können, die so etwas wie zumindest militärischen Glanz, unbefleckte oder doch nur wenig befleckte Expertenschaft vorführte. Rommel in der Stammtischanekdote entsprach dem Heldengenre wie die Geschichte von dem deutschen U-Boot, das in den New Yorker Hafen fuhr, ein paar Schiffe versenkte und unerkannt wieder entkam. Dass es im schmutzigen Ganzen immerhin Husarenstücke, mithin auch Leistungen gegeben habe, auf die man stolz sein konnte – das war die Hoffnung, die indes von der Forschung bald als illusionär widerlegt wurde, wenn sie nicht schon der Zeitgenossenschaft als trügerisch hätte erscheinen müssen.

Aber Zeitgenossen glauben, was sie glauben wollen. Es gibt psychische Bedürfnisse einer Gesellschaft, die jedem Argument trotzen. Und so kann es durchaus sein, dass Völker lange mit einer doppelten Erinnerung leben – jener, die von Historikern erarbeitet worden ist und auch von offizieller Politik als Fundament betrachtet wird, und jener, die im Kollektiv unausgesprochen weitergetragen wird. Es kann durchaus sein, dass Rommel auch durch wiederholte kritische Behandlung nicht beschädigt wird, jedenfalls nicht in der volkstümlichen Erinnerung, die aus der Beschäftigung mit ihrem Idol nur immer wieder auf dessen Bedeutung, nicht auf Distanzierung schließt.

Wenn man den aktuellen Spiegel in die Hand nimmt, der aus Anlass des Fernsehfilms Rommel auf den Titel gesetzt hat, spürt man gewiss das Gewicht des kritischen Artikels im Innern, aber schwerer wiegt das Titelbild, das den General wie in der zeitgenössischen Propaganda zeigt, das Eiserne Kreuz am Kragen. Gerade die distanzierenden Zeilen Des Teufels Feldmarschall / Hitlers Helfer, Hitlers Opfer müssen distanzierend nicht gelesen werden. Des Teufels Feldmarschall, mit der Anspielung auf Zuckmayers Stück Des Teufels General – na, das ist doch immerhin was, so kann man es lesen, wer schafft das schon, beim Teufel akkreditiert zu werden. Rommel, der Teufelskerl. Und damit schließt sich der Kreis einer euphemistischen Lektüre deutscher Geschichte, den die Medien bedienen, solange sie sich unschuldig genug fühlen, von ihm zu profitieren.