Meist wird sie im Familienverband genannt. Dabei geht es nicht um den Vater, der sich als zehntes Kind eines armen Bauern mit seiner starken Persönlichkeit und auffallenden Intelligenz einen besseren Platz in der Welt erworben hatte. Oder um die aus guter Familie stammende Mutter, die spät heiratete, jedes Jahr ein Kind gebar und bald nach der sechsten Geburt qualvoll starb.

Wenig bekannt ist auch, dass sie zwei ältere Schwestern hatte, die innerhalb von sechs Wochen der "Auszehrung" und einer brutalen Pädagogik zum Opfer fielen. Die überlebenden Kinder wurden daraufhin von der Schule genommen und zu Hause unterrichtet. Plötzlich war sie mit neun Jahren die Älteste, ernst und voller Verantwortungsbewusstsein für die jüngeren Geschwister. Vor allem dem Bruder fühlte sie sich verbunden, mit ihm erfand sie eine Fantasiewelt, die die beiden sich über Jahre bis ins Kleinste ausmalten. Der Bruder, Stolz und Hoffnung der Familie, löste sich nie aus diesem Fabeluniversum und starb jung als Versager und Alkoholiker. Auch die Schwestern verspannen sich in ihre eigene Welt. Sie aber wollte etwas machen aus ihrem Leben. Nach einem weiteren Jahr Schule unterrichtete sie ihre Geschwister, dann die Kinder reicher Leute.

Obwohl sie diese "verzogenen" Schüler verabscheute, sah sie im Lehrerberuf die Möglichkeit zu finanzieller Unabhängigkeit. Eine Ehe hielt sie für unwahrscheinlich, über ihr Äußeres machte sie sich keine Illusionen. Ein Jahr im Ausland sollte sie darauf vorbereiten, mit den Schwestern eine eigene Schule zu gründen. Es war eine unglückliche Zeit für die stille, altmodisch gekleidete Außenseiterin, die sich hoffnungslos in den verheirateten Schulleiter verliebt hatte.

Sie kehrte in ihr Nest zurück. Die Schule der Schwestern erhielt keine einzige Anmeldung, auch eine gemeinsame Veröffentlichung war ein Fehlschlag: Ganze zwei Exemplare wurden verkauft. Unbeirrt schlossen sie einen Pakt, jede solle unter "geschlechtsneutralem" Pseudonym einen Roman veröffentlichen. Ihrer wurde zur literarischen Sensation. Allein der Tod nahm ihr kurz hintereinander alle Geschwister. Schließlich, mit Ende dreißig, heiratete sie doch. Neun Monate später und "guter Hoffnung" starb auch sie. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 44:

Beate Uhse, verh. Rotermund, geb. Köstlin (1919 bis 2001), war im ersten Beruf Pilotin, dann Flensburger Groß-Unternehmerin für Sex-Zubehör. 1962 eröffnete ihr erster Sex-Shop, 1999 notierte die Beate Uhse AG an der Börse