Wie überstehe ich die nächsten fünf Monate in Berlin? Jetzt, wo es frostig wird, muss man sich wieder Gedanken über seine Ausrüstung machen. Der Berliner Winter ist im Deutschland-Vergleich gemein, der Wind weht wie in Sibirien, der Schnee wird schnell zu dreckigem Matsch, der wiederum gefriert zu hartnäckigen, schwarzgrauen Schmutzgletschern, auf denen die Passanten dann noch im April ausrutschen. Das kennen wir schon.

In Fragen der Winterausrüstung müssen wir uns jedoch nicht an den nächsten Outdoor-Laden richten, man kann auch auf dem Kunstmarkt fündig werden. In der Christie’s-Filiale South Kensington wurde kürzlich beim Travel, Science & Natural History Sale so manches versteigert, was berühmte Männer im ewigen Eis dabeihatten. Etwa der weiße Rollkragenpulli, den Ernest Shackleton auf seiner letzten Entdeckungsreise zur Antarktis 1921/22 trug. Oder jene bunt bedruckte Dose, in der einmal hundert kleine "Tabloids" aus gepresstem Tee steckten, eine schnelle Stärkung, die Shackleton auf der Expedition mit seinem Schiff Endurance von 1914 an zu schätzen wusste. Die Fahrt endete dramatisch, die Endurance wurde vom Eis zerstört, und Shackleton konnte sich und seine Mannschaft nur durch eine wagemutige, monatelange Reise auf driftenden Eisschollen und in kleinen Ruderbooten retten.

Die Rückseite von Shackletons Teedose weist starke Einkerbungen auf, wahrscheinlich diente sie ihm als Reibfläche für die immer rarer werdenden Streichhölzer. Das Stück kostete in der Auktion 3.750 Pfund inklusive Aufpreis – seine dramatische Geschichte ist diesen Preis wohl wert.

Auch der Kompass von Robert Falcon Scott, dem einstigen Kameraden von Shackleton und späteren Konkurrenten, wurde in London versteigert und erzielte einen hohen Preis: 37.250 Pfund. Dabei ist der Kompass das Relikt eines wahren Albtraums. Welch Freude muss der Anblick des verwirrten Instruments, seiner unruhig sich drehenden Nadel gewesen sein, als Scott sich im Januar 1912 endlich dem Südpol näherte! Zerstört wurde die Freude allerdings durch die Spuren, die Scott am Pol fand: das Zelt mit der norwegischen Flagge, das der Konkurrent Roald Amundsen fünf Wochen zuvor hier aufgestellt hatte. In sein Tagebuch schrieb Scott: "Alle Träume sind dahin ... ein schrecklicher Ort..." Auf dem Rückmarsch vom Südpol starb er, den kleinen Kompass trug er noch bei sich. Ein Ding mit einer nicht wirklich trostspendenden Geschichte also. Anders als die Dose von Shackleton. Ich würde sie mit einem losen Darjeeling füllen. Ein winterlicher Begleiter, der mich daran erinnert, dass es woanders noch viel kälter ist als hier in Berlin.