ZEIT: Sie hätten ja auch verhindert sein können.

Schlaff: Ich bin zu alt, um mich zu verhalten wie ein Schüler, der Angst hat vor der Mathematik-Schularbeit. Das wäre wirklich unwürdig gewesen. Den ersten Termin wollte ich wegen eines jüdischen Feiertages nicht wahrnehmen. Also habe ich mich mit dem Parlament auf einen Ersatztermin geeinigt. In diesem Zusammenhang habe ich gemerkt, dass ich nicht mit einer ernsthaften und seriösen Untersuchung des Ausschusses rechnen kann.

ZEIT: Wieso?

Schlaff: Wenn sich der Herr Vorsitzende...

ZEIT: Der Freiheitliche Walter Rosenkranz...

Schlaff: ...nicht entblödet, in den Medien zu sagen, er schließe Wetten ab in seinem Bekanntenkreis...

ZEIT: Eher falle die Statue der Pallas Athene...

Schlaff: Nein, nein, das sind zwei verschiedene Dinge. Zuerst hat er gesagt, er schließe Wetten ab, ob ich auch käme. Dann hat er gemeint, eher falle die Pallas Athene vor dem Parlament um, als dass ich erscheine. Wenn ein Mensch, der sich so verhält, den Vorsitz führt, dann kann man nicht mit Ernsthaftigkeit rechnen. Aber gut.

ZEIT: Ihr Auftritt war ja von einer Ouvertüre zur Frage Ihres Verfahrensbeistandes begleitet.

Schlaff: Nein, die Ouvertüre war etwas anderes. Pünktlich am Wochenende vor der Ausschusssitzung standen Details über ein Ermittlungsverfahren gegen mich in der Zeitung, von dem ich gar nichts wusste. Ich hatte keine Verständigung bekommen, ich kenne keine Aktenzahl...

ZEIT: Bis heute nicht?

Schlaff: Bis heute nicht. Wer immer das gestreut hat, wusste genau, dass mir jeder kompetente Rechtsanwalt sagen wird, unter diesen Umständen dürfe ich zu den drei Telekom-Ostgeschäften, in die ich involviert war, kein Wort sagen. Das heißt, irgendjemand wollte, dass ich nicht aussage. Also komme ich dorthin und weiß genau, zu diesen drei Themen nichts sagen zu können. Dann beginnt dieses Kaspertheater mit meinem Verfahrensbeistand...

ZEIT: Haben Sie innerlich gelacht?

Schlaff: Na, viel. Meine Rechtsberater haben mich bekniet, in der Sache nichts zu sagen. Und ich wäre ja blöd, wenn ich mir Berater leiste und dann nicht auf sie höre. Daher habe ich in meinem Opening-Statement erklärt, dass es am Gescheitesten wäre, wenn wir jetzt alle wieder heimgingen. Nach meiner einfachen Logik gab es zwei Möglichkeiten: Fragen, die das Thema berühren, kann ich nicht beantworten, und Fragen, die das Thema nicht berühren, gehören nicht gestellt. Die Herrschaften haben aber darauf bestanden, dass die Show weitergeht. An dem Punkt war mir klar, ich muss etwas tun, damit die Zeit vergeht. Also habe ich mich darauf eingelassen, über die Fragen zu diskutieren. Dann fragt mich ein Abgeordneter, ob ich mit einer ganzen Gruppe von Leuten Kontakt gehabt habe. Also mit Ausschussmitgliedern, deren Stellvertretern und dann, sehr vage formuliert, überhaupt mit diversen Politikern.

ZEIT: In diesem Kontext haben Sie Bruno Kreisky zitiert, der einmal meinte, das letzte Mal, als man ihm eine Frage gestellt habe, die sich nur mit Ja oder Nein beantworten lasse, sei dies bei einem Verhör der Gestapo gewesen. War das eine spontane Idee?

Schlaff: Das war spontan. Ich bin ein politischer Mensch. Zu Bruno Kreisky hatte ich, wie so viele andere auch, eine Art Hassliebe. Als junger, linker Mensch liebt man natürlich den, der es geschafft hat, in Österreich für die Linke die Macht an sich zu reißen, und der dann wirklich damit begonnen hat, dieses Land zu modernisieren. Und zugleich war ich zutiefst gekränkt über seine Haltung zu Israel. Mit niemandem beschäftigt man sich so sehr, wie mit jemandem, den man zugleich liebt und hasst. Daher erinnere ich mich an solche Dinge. Kreisky war sicher nicht über die Frage an sich ungehalten, er hat es einfach ausgenutzt, dass sich jemand die Blöße gab, und ist hineingefahren. Das habe ich auch gemacht.

ZEIT: Das hat auch gut funktioniert.

Schlaff: Für mich war der Ausschuss in dem Moment ein feindliches Forum, als der Vorsitzende solche Blödheiten von sich gab und mir ein Abgeordneter eine Frage stellte, die darauf abzielt, ob ich etwa mit dem Gusi vor 14 Tagen tarockiert habe. Daher habe ich jede Blöße genützt. Das kommt aus dem Bauch, da muss man nicht viel nachdenken.

ZEIT: Sie tarockieren mit Ihrem Freund Alfred Gusenbauer?

Schlaff: Nein, ich spiele mit ihm Poker.

ZEIT: Als Sie das Parlament wieder verließen, dachten Sie sich: "Welche Zeitverschwendung"?

Schlaff: Das mit der Zeitverschwendung war nicht mein erster Gedanke. Ich dachte mir: Hoffentlich ist es mir wenigstens gelungen, ein paar von denen wirklich zu sekkieren. Wenn sie mir schon meine Zeit stehlen, dann möchte ich mich zumindest revanchieren.