Was geschieht, wenn nichts geschieht? Wenn sich die Erde mangels Klimapolitik bis zum Ende des Jahrhunderts um vier Grad erwärmt? Nichts Gutes. Die Weltbank verpasste einer von ihr in Auftrag gegebenen Studie deshalb einen neuen Dreh. Vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und dem Forschernetzwerk Climate Analytics wollte sie ursprünglich nur wissen, wie sich arme Länder auf die heißen Zeiten vorbereiten können. Geht nicht, so der Befund. In der am Wochenende veröffentlichten Studie heißt es jetzt, die Vier-Grad-Welt müsse "vermieden" werden. Und das geht, behauptet PIK-Chef Schellnhuber.

DIE ZEIT: Herr Schellnhuber, kurz vor Beginn der Weltklimakonferenz warnen Sie vor schrecklichen Folgen der globalen Erwärmung. Mit Verlaub, uns erscheint das wie ein Ritual. Wenn das Megaevent vorbei ist, werden Sie wahrscheinlich wieder sagen, die Beschlüsse seien zwar unzureichend, die Welt sei aber trotzdem noch zu retten.

Hans Joachim Schellnhuber: Dieses Ritual bleibt so lange notwendig und sinnvoll, wie eine Destabilisierung des Weltklimas noch vermieden werden kann. Und es führt eben kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass es bittere Folgen haben wird, wenn der Klimaschutz weiter auf der Stelle tritt. Wenn also die Erderwärmung nicht bei einem Plus von rund zwei Grad stabilisiert wird und stattdessen bis Ende des Jahrhunderts doppelt so stark ausfällt.

ZEIT: Worin liegt der Unterschied zwischen zwei und vier Grad?

Schellnhuber: Das war genau die Kardinalfrage. Tatsächlich hat bisher niemand so recht zusammengetragen – Region für Region, Sektor für Sektor –, was vier Grad bedeuten. Wenn man das tut, wie wir in unserer Studie für die Weltbank, dann verschlägt es einem auch als Forscher den Atem. Es wird harte Treffer geben.

ZEIT: Wie wird Deutschland getroffen?

Schellnhuber: Deutschland gehört interessanterweise zu den Regionen, die am spätesten betroffen sein werden. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Irgendwann werden auch wir Hitzerekorde erleben von 42 Grad und mehr. Flüsse wie der Rhein werden öfters mal austrocknen. Es wird auch mehr Überschwemmungen geben, vergleichbar der Elbeflut von 2002. Wir registrieren schon heute eine Zunahme sogenannter Trogwetterlagen mit heftigem Regen. Alles bekannte Ansagen, aber die Tage des Wandels rücken näher. Das Wetter wird extremer, bedroht die Menschen hierzulande allerdings noch lange nicht in ihren Existenzgrundlagen. Anderswo sieht es für Millionen wesentlich düsterer aus.