Es ist besonders wohl durchdacht, mit welchen mutigen Ideen Teamleader Frank Stronach sein großes Werk, Österreich von Grund auf zu erneuern, in Angriff nimmt. Der parlamentarische Stellvertreter des abwesenden Parteiinhabers berichtete unlängst von dem Plan seines Vordenkers, die Parteiendemokratie abzuschaffen. Sein Traum wäre "ein Parlament, in dem keine Parteipolitiker sitzen, sondern vernünftige Leute". Das würde wohl auf einen demokratischen Quantensprung hinauslaufen. Es ist ein naheliegender Gedanke, Parteipolitik und Vernunft als gegensätzliche Phänomene zu sehen – auf den ersten Blick. Allerdings wachsen bei näherer Betrachtung die Zweifel. Der Fraktionszwang ist beispielsweise bei der Durchsetzung eines Anliegens allemal vernünftig, auch wenn dabei die Vernunft oft ausgeschaltet wird. Es existieren offensichtlich zwei unterschiedliche Erscheinungsformen der Vernunft: die echte und die politische Vernunft. Sie sind wie entfernte Verwandte, die einander nur alle heiligen Zeiten begegnen. Die echte Vernunft würde Menschen allerdings meist daran hindern, überhaupt Politiker zu werden. Darum braucht es die andere. Das ist es wohl, was mit Kritik der politischen Vernunft gemeint ist. Die Hoffnung auf die Befreiung aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit des Parlaments ruht also auf den Schultern der Neokantianer, die Stronach um sich geschart hat. Sie wollen, dass jedes europäische Land künftig seinen eigenen National-Euro bekommt. Gewissermaßen eine Währungsunion, die nur dem Namen nach besteht. Ein deutscher Euro wäre dann 5,50 Portugiesische Euro wert. Wegen der Übersichtlichkeit müssten die deutschen Euro-Banknoten auch fünfeinhalbmal so groß sein wie lusitanische. Bei einer etwaigen Änderung des Wechselkurses können die Geldscheine immer neu zugeschnitten werden. Seltsam eigentlich, dass in der grauen Zeit vor Stronach noch niemand diese Art der Vernunft aufzubringen in der Lage war.