Ende kommender Woche wird die Klimakonferenz in Doha scheitern. Die Enttäuschung wird sich in Grenzen halten, weil es keine Erwartung mehr gibt, die noch enttäuscht werden könnte. Die Konferenz soll einen halbwegs plausiblen Weg zum Abschluss eines Klimavertrags im Jahr 2015 beschreiben, der die globale Erwärmung auf zwei Grad begrenzt. Dieser Arbeitsauftrag wird nicht erfüllt werden, einfach darum, weil er unerfüllbar ist. Und dann?

Dann kommen Weihnachten, die Euro-Krise, die Landtagswahl in Niedersachsen.

Das mag zynisch klingen, aber es ist tatsächlich der wichtigste Teil der Antwort. Wer sich ernsthaft die Frage vorlegt, was aus dem Scheitern der nationalen und internationalen Zwei-Grad-Politik folgt, der sollte mit einem Eingeständnis beginnen. In den zwanzig Jahren der internationalen Klimapolitik seit dem Umweltgipfel in Rio 1992 hat der wohlhabende Teil der Menschheit kollektiv entschieden, die globale Erwärmung als nachrangiges Problem zu behandeln. Und nichts spricht dafür, dass diese Entscheidung in absehbarer Zukunft revidiert wird.

Das Zwei-Grad-Ziel war ein Leitbild für eine Welt, die alle Ressourcen für einen Zweck mobilisiert: den Kampf gegen die globale Erwärmung. Doch dies ist nicht die Welt, in der wir leben.

Zum radikalen Klimaziel gehört eine spezielle Rhetorik: alles oder nichts, zwei Grad oder Weltuntergang. "Warum sollen wir uns einschränken, wenn es ohnehin egal ist?", schreibt ein engagierter Klimaschützer als Reaktion auf einen Zeitungsartikel, der Zweifel am Zwei-Grad-Ziel begründete. "Dann können wir auch statt teuren Urlaubs auf den Nordseeinseln billigen Urlaub auf Mallorca machen. Ich müsste meinen Kindern außerdem empfehlen, sich sterilisieren zu lassen."

Niemand würde so über Probleme wie Krankheit oder Kriminalität urteilten – Probleme, mit denen alle Gesellschaften leben, die sie unablässig bekämpfen, ohne dass sie je verschwänden. Klimawandel aber gilt weithin als ein lösbares Problem, das bei Strafe unseres Untergangs sofort und ein für alle Mal gelöst werden müsse. Diese Illusion hat einen Preis: Wenn die vermeintliche Lösung sich als unrealistisch erweist, bleiben nur Rat- und Fassungslosigkeit. Wäre es nicht so ernst, man könnte es fast komisch finden: Ausgerechnet ein politisches Lager, das die Idee der Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt aller Überlegungen stellt, klammert sich beharrlich an einen Irrglauben, der die nächste Runde der Klimaverhandlungen keinesfalls überstehen wird.

Seltsam auch, wie gerade das Ökolager die Erkenntnisse der Klimaforschung ignoriert. Wenn es einen zentralen Befund in den Berichten des Weltklimarats gibt, dann ist es die große Bandbreite der möglichen Varianten unserer Zukunft. Jenseits der zwei Grad wird die Welt gefährlich und unberechenbar – aber daraus folgt nicht, dass es egal ist, ob sich die Temperatur drei Grad oder sieben Grad über dem heutigen Niveau einpendelt.