Vor allem aber für die Sicherheitsbehörden bieten die fliegenden Fernspäher enormes Potenzial. Die stationäre Videoüberwachung von Straßen und Plätzen könnte buchstäblich in die Luft gehen, würde mobil, könnte ausschwärmen. Grenzen ließen sich von Drohnen überwachen, flüchtige Täter auch ohne teure Hubschrauber verfolgen. In US-Laboren wird bereits an Drohnen gearbeitet, die mit verfeinerter Sensorik bestimmen könnten, wo in einer Großstadt ein Schuss abgefeuert wurde – und dann Schwärme von Kleindrohnen dort hindirigieren, um den Tatort zu sichern und Verdächtige live zu filmen. Und es ist kein übermäßig düsteres Szenario, zu fragen, ob nicht eines Tages bewaffnete Drohnen auch von der Polizei oder von Sicherheitsdiensten eingesetzt werden könnten, bei Geiselnahmen, zur Aufstandsbekämpfung, im Kampf gegen die Drogenmafia. Es wäre ein weiterer Bumerangeffekt: Was heute vom Westen in fernen Ländern eingesetzt wird, käme als Polizei-Instrument zurück an die Heimatfront.

Wie jede Technologie ist auch die Drohnentechnik ambivalent, es kommt am Ende darauf an, wer sie nutzt. Schon heute werden zivile Drohnen zu tausend Zwecken eingesetzt. Sie überwachen Baustellen und Großdemonstrationen, messen die Schadstoffbelastung in der Nähe von Kraftwerken oder Chemieanlagen, melden Staus, behalten Waldbrände im Kameraauge und können sogar provisorische, luftgestützte Handy- oder Wi-Fi-Netze in Katastrophengebieten schaffen. Das britische Nachrichtenmagazin The Economist schätzte unlängst, der Markt für zivile Drohnen und Drohnendienstleistungen könnte im Jahr 2020 auf rund 50 Milliarden Dollar anwachsen.

Das alles sind nur halbwegs naheliegende Entwicklungen. Längst wird auch schon an autonomen Passagierflugzeugen gearbeitet, die ganz ohne oder nur mit einem einzigen Piloten für Notfälle auskommen könnten. Und auf einer Konferenz im Silicon Valley wurde vor nicht allzu langer Zeit die Idee eines "Matternet" diskutiert, eines "Dinge-Netzes", eines Systems von Transportdrohnen und solarbetriebene Ladestationen, die dringend benötigte Medikamente oder Ersatzteile in abgelegene Gegenden Afrikas oder Lateinamerikas fliegen könnten, auch dorthin, wohin keine Straße führt.

Noch wird man irritiert angestaunt, wenn man eine Drohne durch Hamburg oder Berlin fliegt. Nicht ausgeschlossen, dass die Dinger in ein paar Jahren so alltäglich werden wie Handys. Und unsere Welt genauso verändern wie Smartphones.

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