Hummer und Sichel – Seite 1

Tor IV, Reihe 7, rechter Hand. Gleich hinter der Zeremonienhalle, im neuen jüdischen Teil des Zentralfriedhofs der Stadt Wien: Dort liegt sie nun begraben. Die Frau, die man "Rote Fini" nannte. Zur Trauerfeier am vergangenen Sonntag versammelten sich deshalb viele aus Wiens feiner Gesellschaft. Davon wird zu berichten sein, später in dieser Geschichte.

Zwei Sorten Nachrufe ließen sich erzählen über die Österreicherin, die eigentlich Steindling hieß, Rudolfine Steindling. Die eine Sorte handelt von einer brillanten Ganovin; einer, die größte Ehrfurcht verbreitete, bis in die höchsten Kreise – einer Frau, die es mit einem ganzen Staat aufnahm. Die zweite Sorte Nachrufe könnte von einer Mäzenin handeln, einer mit großem Herzen. Einem besonders fürsorglichen Menschen.

Steindling ist die – je nach Standpunkt: gute oder böse – Heldin in einem der größten Finanzthriller der deutschen Nachwendezeit. Sie war eine Business-Lady der Wiener Upper Class, eine "Chanel-Kommunistin", wie Zeitungen über das einstige Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) schrieben. Eine, die in den Mauerfall-Wirren eine halbe Milliarde D-Mark auf nebulösesten Pfaden verschwinden ließ. Und die dieses viele Geld geschickt versteckte – so effektiv, dass das meiste davon bis heute nicht aufzutreiben ist. Fini, die "Frau Kommerzialrätin" aus Österreich, hat einen ganzen Staat genarrt.

Gestorben ist Rudolfine Steindling 78-jährig vor gut vier Wochen, am 27. Oktober 2012; in Tel Aviv, wo sie seit Langem jedes Jahr viele Monate verbrachte. Wo sie als Wohltäterin galt. Es gibt kaum eine Institution in Israel, die der Frau Steindling keine Spende verdankt. Jad Vashem, die Holocaust-Gedenkstätte, erhielt hohe Summen von ihr.

Tor IV, Reihe 7, rechter Hand: An dieser Wiener Ruhestätte stellt sich eine wichtige Frage. Hat Fini ihr Geheimnis mitgenommen in dieses Grab aus Marmor? Wo liegen jene Abermillionen Euro, die noch immer als verschollen gelten? Die der Bundesrepublik gehören. Hat Steindling sich jemandem anvertraut?

Theo Waigel (CSU), Deutschlands einstigem Finanzminister, wird sie nichts erzählt haben. Waigel amtierte von 1989 bis 1998, also auch in den wildesten Zeiten der politischen Wende. Er war qua Amt auf der Jagd nach Geld, das in dunklen Kanälen verschwunden war. Er ließ Ermittler nach SED-Vermögen fahnden, das nach dem Fall der Mauer eigentlich dem Staat zustehen sollte – das Bonzen und alte Kader aber verschoben und versteckt hatten. Vieles war möglich in jenen Jahren, als die DDR versank. Auch der Fall Steindling, der größte dieser Art, das aberwitzigste Rabaukenstück, ein Wirtschaftskrimi ohne Vergleich.

Ein Telefonat mit Waigel, 73, inzwischen politischer Pensionär. Es beginnt mit einer Gegenfrage: "Sie wollen über die Rote Fini sprechen?"

Und da muss man auf die Betonung achten; darauf, wie Waigel diesen Namen sagt. Das rollende R, das kurze N, "Rrrote Finni", Waigel stößt das Wort aus. Darin liegt eine Mischung aus Spott und Hochachtung. Aber auch jede Menge Vertrautheit.

Wie kam diese Dame aus Wien bloß an so viel Geld?

"Ich kann mich gut erinnern an diese raffinierte Dame", sagt Waigel. "Wir haben das Menschenmögliche getan, um an das viele Geld zu kommen. Alles, was rechtlich machbar war. Wir haben Fini Steindling auch im hohen Alter nicht in Ruhe gelassen. Aber sie war mit jeder List vertraut." Aus dem Mund des alten Ministers spricht die Ehrfurcht eines Mannes, der dieser Fini nie habhaft wurde. Wie viele Prozesse hat sein Staat geführt um das Vermögen der Fini Steindling! "Das hat mich immer wieder verfolgt. Darüber waren wir schon auch wütend", sagt Waigel. "Es wird niemand behaupten können, wir hätten diese Sache lax betrieben."

Die Presse verglich die Steindling mit einem "wandelnden Geldautomaten". Die Bild- Zeitung empörte sich 1996 grob über sie: Wir zahlen – Sie lacht: In Wien sitzt eine Frau auf einem riesigen Berg Geld, der eigentlich der Bundesrepublik Deutschland gehört. Es heißt, nach dieser Schlagzeile habe der damalige Kanzler Helmut Kohl die Jagd auf Finis Millionen zur Chefsache erklärt. "Da hat die Höhe der Summe natürlich eine Rolle gespielt", sagt sein einstiger Minister Waigel heute. "Eine halbe Milliarde D-Mark! Und die Dame hatte sich ins Ausland abgesetzt."

Wie kam diese Dame aus Wien bloß an so viel Geld?

Zur Zeit der DDR hatte Steindling für den SED-Staat die Firma Novum geleitet. Die verschaffte dem Ostblock-Staat, was der so dringend brauchte: Devisen. Über das Unternehmen konnten Westkonzerne in der DDR handeln; und ausgewählte VEB in Länder des Westens exportieren. Für Geschäftsleute aus dem Ausland, die in der Planwirtschaft verdienen wollten, führte an Firmen wie Novum kein Weg vorbei. Diese kümmerte sich vor allem um Deals mit Unternehmen in Österreich – die dafür wiederum Provisionen zahlten, in nicht unerheblicher Höhe.

Sie verteilte Geld wie Bonbons. Das sicherte ihr einen Platz in der Society

Für den Job als Novum-Chefin war Fini aus DDR-Sicht prädestiniert: eine Österreicherin und Geschäftsfrau, gut vernetzt in ihrem Land. Außerdem Kommunistin: Sie kannte die Richtigen, sie glaubte das Richtige. Nach der Wende lag auf Konten der Novum eine halbe Milliarde D-Mark. Geld, das nach den Regeln des Einigungsvertrages nun der Bundesrepublik hätte zufallen müssen. Geld, das Steindling aber nicht der BRD überlassen wollte. Sie übertrug riesige Summen auf Zürcher Konten, ließ sie bar auszahlen, legte sie dann anonym wieder an. Das Geld war fort. Waigels Truppen begannen die Jagd. Auf eine moderne Bankräuberin mit ergrautem Haar und Perlenkette.

Tor IV, Reihe 7, rechter Hand – an Rudolfine Steindlings Grab kann auch die zweite Sorte Nachrufe beginnen, die andere Erzählung: von einer Frau, die so viel Gutes tat. Der erste Adventssonntag 2012 auf dem Neuen Jüdischen Friedhof, an einem bitterkalten Wintertag: Die Trauergesellschaft ist eingetroffen, um Fini Lebewohl zu sagen. Die Bestattung fand schon vor Wochen statt, wahrscheinlich im engsten Kreis. Nun fahren große Autos vor und Busse mit getönten Scheiben.

Wichtige Menschen haben Steindling geschätzt. Mit Honecker, heißt es, sei Fini ebenso vertraut gewesen wie mit Israels heutigem Verteidigungsminister Ehud Barak. Alexander Schalck-Golodkowski, dem Außenhandelschef der DDR, soll sie so nahe gestanden haben wie Österreichs langjährigem Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ). Zur Trauerfeier sind Männer wie der Manager Claus Raidl gekommen, Aufsichtsratschef der Nationalbank; oder Sepp Rieder (SPÖ), einst Vize-Bürgermeister von Wien. Der Direktor der Volksoper ebenso wie die Lebensgefährtin eines Politikers. Man tuschelt hier und sagt zueinander: "Ich hab der Fini so viel zu verdanken! Sie hat mich so gefördert."

Es ist jüdischer Brauch, Verstorbenen kleine Steine auf ihr Grab zu legen. Der Oberrabiner Wiens steht vor der Trauergesellschaft und sagt, jeder Stein habe etwas zu bedeuten. Jeder, der einen Stein lege, sage damit: Ich bewundere, was du getan hast.

So viele Steine liegen nach der Feier auf Rudolfine Steindlings Grab.

Zu einer Zusammenkunft der Trauernden geht es im Anschluss mit den Wagen in die Innenstadt, ins feine Hotel Intercontinental. Das ist die Welt, in die Fini gehörte: eine unter Kronleuchtern. Mit Teppichen, die Schritte dämpfen. Zwischen holzvertäfelten Wänden. Gewiss hundert Menschen sind da, im ersten Stock, im Metternich Ballroom. Da sind Männer mit Schuhen von Prada und fellbesetzter Jacke. Frauen mit Frisuren, die aussehen, als entstünden diese wie folgt: erst viel Haarspray hinein, dann im Windkanal trocknen. Drei Räume wurden zum Ballroom vereint, in dem man hier Fini Lebewohl sagt: der Salon Metternich, der Salon Fischer von Erlach, der Salon Mozart. Feinster Kuchen wird gereicht.

"Fini, you made a difference", sagt einer der Redner.

Ein Dialog dieses Nachmittags, stellvertretend: "Und woher kannten Sie Frau Steindling?" – "Sie war bei uns förderndes Mitglied, sie gab uns 2500 Euro im Jahr, ohne dass sie etwas davon hatte." Das klingt zunächst nach gar nicht so viel Geld. Aber jeder erzählt diese Geschichten. Die Rote Fini verteilte Geld wie Bonbons.

Woher kam dieser Reichtum? Rudolfine Steindling selbst sagte immer: Sie habe ja nur Spenden gesammelt. Sie sei eigentlich mittellos. Wer Trauergäste fragt, der wird angesehen, als sei er zu kleinlich: "Wissen S‘, die Frau hat so viel Gutes getan für Österreich."

Franz Morak, ÖVP-Politiker und Exschauspieler am Burgtheater, sagt, die Fini sei geradezu die Botschafterin Österreichs in Israel gewesen. Anfang des Jahrtausends, als die FPÖ des Rechtspopulisten Jörg Haider in Wien an der Regierung beteiligt war, als Österreichs Beziehungen zu Israel deshalb merklich abkühlten, sei es Steindling gewesen, die dem Staatssekretär Morak in Tel Aviv alle Türen geöffnet habe. Die Versöhnung stiftete. Und sei es nicht auch eine Form der Gerechtigkeit, hört man mitunter, wenn Rudolfine Steindling jenes Vermögen, das von den Konten ihrer Handelsfirma Novum stammte, der reichen Bundesrepublik vorenthalten hätte – um damit derart gute Taten zu vollbringen?

Falls den Deutschen das Geld überhaupt zusteht. Schier unendliche Gerichtsprozesse sind im Falle Steindling inzwischen ausgetragen worden. Im Kern ging der Streit stets um eine einzige Frage: Wem gehörte die Firma Novum? Der SED, wie die Deutschen beteuern, weshalb das Vermögen der Treuhandanstalt, ergo der Bundesrepublik zustehe? Der Kommunistischen Partei Österreichs, wie Steindling und ebendiese KPÖ immer behaupteten – was dazu führen würde, dass der Partei auch das Novum-Vermögen zuzuschreiben wäre?

Die DDR habe die Novum gegründet, um ihren Außenhandel zu organisieren. Sagt Berlin. Die KPÖ habe die Novum gegründet, um den Handel österreichischer Firmen in der DDR von Österreich aus zu organisieren, behauptete dagegen Steindling – die SED habe gern geschehen lassen, dass die KPÖ in diesem Geschäft gutes Geld verdiente. Als Hilfe für die kommunistischen Freunde im kapitalistischen Exil sozusagen. Am Ende verloren Steindling und die KPÖ die Prozesse. Letztinstanzlich entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin 2003: Die Novum war eine SED-Firma, die halbe Milliarde D-Mark auf ihren Konten – eine Viertelmilliarde Euro – stünden der Bundesrepublik Deutschland zu. Ging das Geld dann auf den deutschen Konten ein? Natürlich nicht. Da hatte man die Rechnung ohne Fini gemacht.

Denn von der Viertelmilliarde Euro waren, als in Berlin die letzten Urteile fielen, nur noch 100 Millionen Euro aufzutreiben. Den Rest hatte Steindling längst verschoben. Im Mai 1991 eröffnete sie zwei Zürcher Konten für das Novum-Vermögen, überwies die Summen dorthin, ließ sie dann in 51 Tranchen bar auszahlen. "Wie Getreidespeicher", notierte ein Jurist, habe Steindling die Konten "sturzartig" geleert. Sie trug die Geldscheine nicht in Koffern davon, sondern ließ sie direkt im Banksafe verwahren, um sie dann, so stellte ein Gericht fest, "größtenteils in anonymen Sparbüchern und sogenannten Juxtenbons" – anonymen Wertpapierdepots – unauffindbar anzulegen. Und da verliert sich die Spur des Geldes.

So wie sich die Spur der Fini immer wieder verloren hat: Eigentlich ist die Frau ein Phantom, was über sie bekannt ist, bleibt ein großes Raunen. Ihre Laufbahn, berichtete einst der Wiener Standard , habe sie als Sekretärin einer Bank begonnen, dort habe sie auch ihren späteren Mann kennengelernt, den Holocaust-Überlebenden Adolf Steindling. Der verstarb bereits in den achtziger Jahren.

Fini gab nie größere Interviews. Unscheinbar hat sie gewirkt auf jene, die sie trafen und kennenlernten. Wer sie zum ersten Mal sah, erstarrte kaum in Ehrfurcht. Der Spiegel will einmal zumindest ihre Lebensmaxime herausgefunden haben. "Ich mach nix, wo kein Geld rausspringt", habe Fini gesagt.

Eine Anwältin holte im Auftrag Theo Waigels eine Milliarde Mark zurück

Eine kuriose Geschichte kann hören, wer heute mit einem der Ermittler spricht, die Fini jahrelang verfolgten. Er traf Rudolfine Steindling einst, als sie es nicht erwartet hat. Damals, in den neunziger Jahren – zeitweise suchten deutsche Behörden nach Steindling gar per Haftbefehl –, war der Mann dienstlich in Tel Aviv. Wohnte dort in einem Hochhaushotel. Dass die Geschäftsfrau regelmäßig in Israel weilte, war vielen Fahndern damals nicht bekannt. Der Jurist holte im 15. Stock den Aufzug, die Tür öffnete sich. "Und da stand Frau Steindling. Wir beide, sie und ich, erstarrten. Dann drückte sie wie verrückt den Knopf, um die Tür schnell wieder zu schließen. Für sie war ich Repräsentant der BRD, das Böse. Sie war völlig außer sich, diesen Finsterling zu sehen." Er meint damit sich.

Ein Anruf bei Hans Modrow, Ende 1989 letzter SED-Regierungschef der DDR. Er beteuert bis heute, man habe Steindling zu Unrecht verfolgt: "Die Novum war kein SED-Betrieb. Dass die SED die Eigentümerin gewesen sei, ist eine Unterstellung. Nein, wir hatten immer die stille Hoffnung, dass die KPÖ das Geld der Novum bekommt. Daraus mache ich keinen Hehl."

Modrow ist inzwischen 84 und Ehrenvorsitzender der Linkspartei. "Diese Zwischenhändler wie die Novum waren in unserer geteilten Welt, im Kalten Krieg, die einzige Chance, Know-how zu importieren. Daraus sind Provisionen entstanden", sagt Modrow. Das sei auch jedem klar gewesen. "Die Rote Fini war gewiss keine Dumme. Die war eine kluge Frau. Und sie war gewiss nicht arm. Sie war sehr geschickt. Das hat uns schon imponiert." Das ist die Finesse an der Geschichte um Fini: In Deutschland verrufen, in Österreich geliebt, aber überall staunen die Menschen über ihre Geschicklichkeit.

Das muss sogar Marion Westpfahl eingestehen, eine prominente Anwältin aus München. Im Auftrag des Bundesfinanzministers machte sie nach der Wende Jagd auf verschollene SED-Milliarden – gemeinsam mit ihrem Sozius, dem Anwalt Ulrich Wastl. "Theo Waigels Geheimwaffe" nannten die Medien Westpfahl, sie gilt als besonders tough, als Eiserne Lady im Gerichtssaal. Eine Milliarde D-Mark, heißt es, habe sie für Waigel zurückgeholt aus dunklen Kanälen der Nachwendezeit.

"Diese Steindling-Gelder", sagt Westpfahl, "haben nichts mit der KPÖ zu tun." Letztlich sei doch alles über die Tische der Staatssicherheit gegangen. "Die hatten Verschiebetechniken, die waren unglaublich. Da hätte man nach der Wende noch ganz anders reinhauen müssen." Eine Diktatur, sagt Westpfahl, könne untergehen. Das Wissen derer, die sie gestützt haben, bleibe. Und ihr Kollege Wastl sagt: "Die Novum hatte mit der KPÖ so viel zu tun wie eine Kuh mit dem Twisttanzen." Man sei mit Leuten konfrontiert gewesen, die geübt waren in geheimdienstlicher Arbeit, sagt Wastl. Österreich sei für die DDR-Veteranen, die Geld verschwinden lassen wollten, das perfekte Land gewesen: "Die Wiener hatten damals ein starkes Bankgeheimnis. Man sprach die gleiche Sprache. Und die KPÖ war gesellschaftlich anerkannt."

Was folgt aus alledem? "Das Geld ist fort", sagt Ermittlerin Westpfahl.

Sie hat Steindling vor Gericht getroffen. "Frau Kommerzialrat hatte auf der einen Seite das Erscheinungsbild einer Hausfrau. Spießige Handtäschchen, spießige Kostüme, Betonlocken auf dem Kopf", erzählt die Anwältin. "Und andererseits war sie überaus gescheit. Hat, wenn sie unter Druck geriet, sich von der Hausfrauenallüre verabschiedet – innerhalb von Zehntelsekunden! Dann war sie plötzlich schneidend und knallhart." In einer Vernehmung, sagt Westpfahl, habe sie Steindling "schlicht hasserfüllt" erlebt.

Und in Wien sei Steindling eben "eine Hausnummer" gewesen: "Ich kenne die Geschichte eines Staatsanwalts, der in Wien bei ihr zur Hausdurchsuchung anrückte. Der sagte ihr zur Begrüßung: ›Küss die Hand, Frau Kommerzialrätin, wir hätten da mal ein paar Fragen.‹ So angesehen war sie!"

Hoffnung, dass das Geld wieder auftaucht, haben offenbar nur noch Verzweifelte. "Bei uns", sagt Wastl, "rufen einmal jährlich teils durchgeknallte Menschen an und behaupten, sie wüssten, wo das Geld liegt. Am Ende wissen sie es nie." Man könne davon ausgehen: "Es gibt da verschiedene Kriegskassen. Eine wird vielleicht in Israel sein, eine auf den britischen Jungferninseln, die nächste? Weiß der Teufel, wo."

Zwei Sorten Nachrufe gibt es also. Was ist die Wahrheit? War Fini die durchtriebene Geschäftsfrau, die der BRD späte Niederlagen gegen den Sozialismus bescherte? Oder war sie die wunderbare Mäzenin? Gute Fini, böse Fini?

Der letzte Bankraub jedenfalls gelang ihr besonders schelmisch. Vor dem Obergericht des Kantons Zürich erzielte die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS), Nachfolgerin der Treuhand und damit zuständige deutsche Behörde, in diesem Jahr zwar einen großen Erfolg: Niemals, so argumentierten die Deutschen, hätte Steindling das Geld, das sie einst von den Zürcher Konten abhob, ausbezahlt bekommen dürfen. Die Richter sahen das auch so. Sie verurteilten eine Bank, der Bundesrepublik 128 Millionen Euro zu überweisen, zuzüglich Zinsen.

Aber eben nicht aus Finis Vermögen wird der größte Teil des Schadens nun beglichen. Stattdessen muss die Bank, die ihr einst half, jetzt wohl für sie haften.

Zusammen mit jenen 100 Millionen aus Finis Schatz, die die BvS schon zuvor sicherstellen konnte, wäre das Geld, das die BRD einst verlor, dann endlich zurück auf deutschen Konten.

Doch die Bank hat Revision eingelegt gegen dieses Urteil. Der Kampf, er geht weiter. Nur Fini hat jetzt ihre Ruhe: in Wien, Zentralfriedhof, Tor IV, Reihe 7, rechter Hand.