Seit sieben Jahren regiert Angela Merkel. Sieben japanische Ministerpräsidenten hat sie seither erlebt. Immer wieder neue Namen, neue Gesichter! "Mir wäre es recht, wenn auch mal wieder einer vier Jahre im Amt bliebe."

Diesen Gefallen tut ihr auch Yoshihiko Noda nicht. Japans Premier, politisch seit Monaten in Bedrängnis, hat zum 16. Dezember vorgezogene Neuwahlen angesetzt. Und es steht so gut wie fest, dass seine Demokratische Partei (DPJ) diese Wahlen mit Pauken und Trompeten verlieren wird. Riesengroß ist die Enttäuschung der Japaner – so groß, wie 2009 die Erwartungen waren, als die DPJ die seit Ewigkeiten regierenden Liberaldemokraten (LDP) ablösten.

Nichts hat sich seitdem zum Guten gewendet. Japans politische Kultur ist die alte geblieben – Seilschaften, die sich in Machtkämpfe verbeißen, fern von den Alltagssorgen der Menschen. Selbst die dreifache Katastrophe von Erdbeben, Tsunami und Fukushima-Kernschmelze im März 2011 hat daran nichts geändert. Die Opfer haben sich, getragen von der Solidarität ihrer Mitbürger, mit stoischer Willenskraft an den Wiederaufbau gemacht. Die Machtspiele in Tokio gingen einfach weiter.

Nun steht dort wieder einmal eine Regierung vor den Trümmern ihrer Arbeit. Japan bleibt auch nach 20 Krisenjahren in der Deflation gefangen. Die Verschuldung des Landes hat inzwischen 240 Prozent der Wirtschaftsleistung erreicht. Die schnell alternde Bevölkerung lässt um Innovationskraft und ökonomische Dynamik fürchten. Die DPJ, die nach dem Muster der LDP drei Premiers in drei Jahren verschliss, hat es nicht vermocht, Aufbruchsstimmung zu erzeugen.

Schon gar nicht in der Außenpolitik. Wollte man sich zunächst von den übermächtigen Vereinigten Staaten emanzipieren, sucht man nun unter dem Druck eines immer selbstbewusster auftretenden Chinas wieder die schützende Nähe des einzigen Verbündeten. Eine Strategie ist in all dem nicht zu erkennen. Pure Inkompetenz!, so lautet das vernichtende Urteil vieler Diplomaten über die Außenpolitik der eigenen Regierung.

Nun dürfte mit Shinzo Abe ein ehemaliger Premier der LDP die Regierungsgeschäfte erneut übernehmen, über dessen Amtszeit 2006–2007 der Leiter des Deutschen Instituts für Japanstudien in Tokio, Florian Coulmas, sagt: "Er hat absolut nichts geleistet. Ein Totalversager."

Erklärt werden kann der unverhoffte Wiederaufstieg des Shinzo Abe nur mit dem geänderten politischen Klima. Japan driftet nach rechts. Die nationalistischen Töne im Land werden lauter. Hauptursache dafür ist der Wiederaufstieg Chinas. Das Land hat Japan als zweitgrößte Wirtschaftsnation abgelöst. In der Weltpolitik, in der sich Peking und Washington inzwischen auf Augenhöhe begegnen, spielt Tokio keine Rolle. All das verletzt den Nationalstolz der Japaner.