Milch brachte den Menschen nach vorn. Das Melken erlaubte, tierische Eiweiße, Fette und Mineralstoffe zu nutzen, ohne Kuh, Schaf oder Ziege vor der Mahlzeit töten zu müssen. Die größte Innovation dabei: Käse. Seine Herstellung ermöglichte, die verderbliche Kost in haltbare Lebensmittel zu verwandeln. Und vom Käse konnten sich sogar Laktoseintolerante ernähren, denen es beim Milchtrinken den Magen umgedreht hatte.

Wo aber gelang es dem ersten Käser, Milch mit Kälberlab, Bakterien oder pflanzlicher Hilfe gerinnen zu lassen und den eiweiß- und fetthaltigen Teil von der Molke zu trennen? Literarische Zeugnisse finden sich bei Homer. In der Ilias gerinnt »Milch schnell vom Feigenlabe«. In der Odyssee füllt der Kyklop »gelabte Milch in geflochtene Körbchen«. Älteste archäologische Hinweise sind Milchrückstände in anatolischen Tongefäßen – die 8.000 Jahre alten Spuren sind jedoch kein Beweis für Käseproduktion.

Nun vermeldet ein britisch-polnisches Forscherteam in Nature den ältesten Käsefund der Welt – im polnischen Ludwinowo entdeckte man Milchrückstände in 7500 Jahre alten perforierten Schüsseln. Sie dienten vermutlich dazu, Molke abfließen zu lassen. Können sich also die Polen rühmen, das Käsen erfunden zu haben? Kaum. Die Entdeckung liegt zu lange zurück, als dass sie einer für sich reklamieren könnte. Schon in der Altsteinzeit fand man im Magen getöteter Jungtiere durch Lab und Säure geronnene Muttermilch. Streiten lässt sich bloß darüber, wer die Kulturleistung am besten beherrscht. Franzosen (Rocamadour), Italiener (Pecorino), Schweizer (Alpkäse)? Einigkeit herrscht nur darin: nicht die Holländer.