Im Mai 1628 erlegte ein unbekannter Jäger in den Flussniederungen des Neckars nahe des schwäbischen Ortes Waiblingen einen Vogel, der von so großer Seltenheit war, dass der Jäger ihn malen ließ. Der Vogel sollte für die Ewigkeit festgehalten werden. Der namenlose Künstler stellte ihn in Lebensgröße dar: nur den Vogel und seinen kleinen Schatten, sonst nichts. Es handelt sich, so Ornithologen, um eine männliche Trauerseeschwalbe in ihrem Prachtkleid. Sie gehört der Ordnung der Regenpfeiferartigen und der Gattung der Sumpfseeschwalben an.

Auf dem Bild wirkt der Vogel lebendig, denn er steht aufrecht und blickt den Betrachter an, recht grimmig sogar. Das möchte man dem Vogel nicht verübeln, denn wer will schon sein Prachtkleid anlegen und dann erschossen werden? Das musste ja so kommen, scheint er zu denken, schließlich ist ihm die Trauer schon mit seinem Namen ins Nest gelegt worden.

Auch die berühmten Vogelbilder Birds of America , die John James Audubon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts malte, sind immer erst nach dem gewaltsamen Tod der Tiere entstanden. Audubon berichtete, er habe auf seinen Streifzügen täglich mehr als hundert Vögel erlegt, mit feinem Schrot, um das Gefieder zu schonen, und sie dann mit Draht wieder in Form gebracht.

384 Jahre nach dem Schuss, der unserer Trauerseeschwalbe das Leben gekostet hat, tauchte ihr Bild jetzt anlässlich der 100. Auktion des Berliner Auktionshauses Bassenge wieder auf. Beim Katalogisieren hat sich eine Extrasilbe in ihren Namen geschlichen, sodass sie als Trauer tief seeschwalbe so manchen Betrachter spekulieren ließ, wie tief das märchenhafte Wesen wohl tauchen könne. Der Hammer knallte erst bei 4.200 Euro aufs Pult.

Auch heute gibt es sie noch in Deutschland, die sumpfliebenden Trauerseeschwalben. Aber, wie könnte es anders sein, sie sind vom Aussterben bedroht.