Lisa della Casa * 2. 2. 1919 - † 10. 12. 2012

Ein Filmporträt aus Anlass ihres 90. Geburtstags, Nebel wallen über den Bodensee, und Lisa della Casa grüßt weißhaarig von der Zinne jenes Schlosses, das sie seit 1950 bewohnt. Wenig originelle Frage: »Was würden Sie einem jungen Sänger heute raten?« Originelle Antwort, mit jenem feinen Sediment von Bärndütsch in der Sprache: »Hör auf mit Singen, es ist zu viel Arbeit, wenn man es richtig machen will.« Die Schweizer Sopranistin selbst hat immer alles richtig gemacht, vielleicht ein bisschen zu richtig sogar. Ein Samstag soll es gewesen sein, 1974, da fragte sie ihren Ehemann Dragan Debeljevic (der ein vergnügliches Buch über sie geschrieben hat), ob es nicht an der Zeit wäre, die Karriere zu beenden. Am Montag drauf sang sie ihre letzte Arabella, in Wien, und dann war Schluss. Dass diese Entscheidung auch mit der tragischen Erkrankung ihrer Tochter zu tun hatte, wusste die extrem öffentlichkeitsscheue Künstlerin stets sorgsam zu verbergen.

Ob Arabella, Capriccio-Gräfin oder die Marschallin im Rosenkavalier, ob Figaro oder Don Giovanni: Della Casa war die Mozart- und Strauss-Interpretin der fünfziger und sechziger Jahre, immer in luxuriöser Konkurrenz zu den beiden eminenten Elisabeths (Schwarzkopf und Grümmer). Manchen war die »Liz Taylor der Oper« einfach zu schön, zu damenhaft-kühl. Wer sich aber ihre Ariadne von 1954 vor Ohren führt (unter Karl Böhm bei den Salzburger Festspielen), entdeckt eine rare vox angelica: von somnambuler Sinnlichkeit, leuchtend, klar, völlig unprätentiös. Bei Wagner und im italienischen Fach wusste sie sich intelligent zu beherrschen, geraucht hat sie ein Leben lang gern und viel. Am Montag ist Lisa della Casa 93-jährig in der Schweiz gestorben.