Zu den lästigen Innovationen, die Konsumenten begegnen, gehört die penetrant-schleimige »Möchten Sie vielleicht auch...?«-Frage nach Ende des eigentlichen Kaufaktes. Natürlich hat dieses Gefrage seinen ökonomischen Sinn, geht es doch um Wachstum, mithin den Wunsch des Fragenden, der Verbraucher möge bitte noch etwas mehr verbrauchen. Oder wenigstens bezahlen. Deswegen sollen diese Fragen möglichst ein »Ja!« provozieren.

In den Siebzigern wirkte das Sprüchlein der Frau an der Wursttheke, ob es noch zwei Scheiben Mortadella mehr sein dürften, putzig und irgendwie nett. In Zeiten drastischer Übersättigung aber wirken dauernde Aufschwatzversuche aufdringlich und unnötig. Bei Starbucks bin ich sogar mal richtiggehend überrumpelt worden. Als ich einen Cappuccino bestellte, fragte mich der Mann an der Theke, ob er »etwas stärker« sein dürfte. Ich sagte begeistert Ja, denn mir ist das Zeug bei Starbucks oft zu dünn. Erst beim Bezahlen merkte ich, dass ich für einen sogenannten Extra-Shot-Kaffee auch extra zahlen sollte. Wo soll das enden? Irgendwann werde ich wohl einen Aufschlag dafür bezahlen, dass die Kaffeespezialität überhaupt Kaffee enthält. Oder dass sie warm ist. Oder im Becher gereicht wird. Kostet alles extra.

Seit diesem Erlebnis reagiere ich allergisch auf Nachfragen an Bestelltheken. Auch beim Bäcker wird man ja ständig gefragt, ob man außer den Brötchen nicht noch Kuchen und einen Kaffee möchte oder an der »6 für 5 Windbeutel-Aktion« teilnehmen wolle. Nein, danke. Das ist fast schon Nötigung. Ich glaube zwar, dass die meisten Verkäufer bloß ihren Job machen und von ihren Arbeitgebern zum penetranten Nachfragen gezwungen werden. Aber inzwischen habe ich auch meinen Teil des Bestellvorgangs optimiert: »Bitte sechs Brötchen und dreimal Nein.«

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