Die Deutung der großen Krise ist längst ein publizistischer Industriezweig. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht ein neues Krisenbuch auf den Markt geworfen wird – und die meisten bieten wenig Neues.

Es ist also kein einfaches Umfeld, in das sich Susanne Schmidt mit ihren jüngsten Buch Das Gesetz der Krise gewagt hat. Die Tochter des Altkanzlers und ZEIT- Herausgebers Helmut Schmidt, die vor zwei Jahren eine viel beachtete Generalabrechnung mit der internationalen Finanzbranche vorlegte, nimmt sich nun die Probleme der europäischen Währungsunion vor. Und das aus einer Perspektive, die ihr Buch absolut lesenswert macht.

Schmidt greift vor allem die in Deutschland verbreitete Lesart der Krise als Staatsschuldenkrise an. Dieser Begriff mag die Lage in Griechenland treffend beschreiben, doch in Spanien und Irland sind die hohen Schulden des Staates darauf zurückzuführen, dass viele Milliarden für die Rettung angeschlagener Banken ausgegeben werden mussten.

Für Schmidt sind »sämtliche finanziellen Krisen und Krisengefahren, die wir zurzeit beobachten, direkte Folgen der Banken- und Finanzkrise«. Die Finanzbranche habe es aber geschafft, alle Vorwürfe auf den vermeintlich nimmersatten Staat umzulenken – eine Falle, in die auch die Bundesregierung getappt sei.

Überwinden lasse sich die Krise demnach erst, wenn die Politik sich der Defizite ihrer bisherigen Problemdiagnose bewusst werde und einen breiteren Ansatz wähle. Für Schmidt sind eine härtere Regulierung des Bankenwesens und eine teilweise Vergemeinschaftung der Risiken im Kreditsektor unumgänglich.

Die Autorin fordert aber auch die Einsicht, dass der Versuch, die Schulden durch eine rigorose Sparpolitik zu bekämpfen, nicht zum Erfolg führen werde – zumal auch die Unternehmen und Privathaushalte ihr Geld zusammenhielten und zu viel öffentliches Sparen erst das Wachstum verringere und dadurch dann neue öffentliche Schulden schaffe. Die aktuelle Lage in Südeuropa bestätigt diese Diagnose.

Schmidt ist deshalb nicht gegen strengere Regeln für die Staatshaushalte. Den von der Bundesregierung vorangetriebenen Fiskalpakt hält sie im Prinzip für richtig. Allerdings müsse er ergänzt werden durch Wachstumsprogramme, zumindest aber sollte den Krisenstaaten mehr Zeit für den Abbau ihrer Defizite eingeräumt werden.