Die Lektüre des neuen Buchs von Tilman Rammstedt beginnt furios. Und zwar schon auf der Rückseite des Covers. Da schreibt Rammstedt eine E-Mail an Bruce Willis, in der er sich für alles bedankt, was dieser für ihn und seinen Roman getan habe. Und weil der Roman nun tatsächlich erscheine, bitte er ihn um einen letzten Gefallen: ob er nicht vielleicht für den Buchumschlag ein Zitat beisteuern könne. Er, Rammstedt, habe da auch zwei Formulierungsvorschläge: »Dieses Buch ist besser als all meine Filme zusammen.« Oder: »Ich konnte nicht aufhören zu lachen. Und ich lache bekanntlich nie.« Und weiter heißt es: »Suchen Sie sich einfach eines aus. Schön wäre es, noch heute von Ihnen zu hören. Der Umschlag wird nämlich morgen gedruckt. Vielen Dank im Voraus, Ihr Tilman Rammstedt.«

Diese Coveridee ist sehr komisch, und auch notorische Griesgrame werden sich aus der Reserve locken lassen. Das Problem ist nur, dass alles, was den Clou dieses Romans ausmacht (und der Roman besteht ausschließlich aus der Entfaltung dieses Clous), bereits auf dem Cover des Buches steht. Was dann auf den 155 großzügig gesetzten Seiten folgt, ist im besten Fall Variation, meist nur Repetition dieses Grundeinfalls.

Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters ist ein selbstreferenzielles Buch. Der Grundeinfall geht wie folgt: Tilman Rammstedt wendet sich an Bruce Willis und bittet diesen, eine Rolle in seinem neuen Roman zu übernehmen. Rammstedts ehemaliger Bankberater habe nämlich verrückterweise die eigene Bank überfallen und stecke nun in einer echt brenzligen Situation. Er, Bruce Willis, sei doch bekannt dafür, gerade in brenzligen Situationen in letzter Sekunde rettend einzugreifen. Natürlich antwortet Bruce Willis auf diese Mails nie. Doch lässt sich der Autor, auch wenn er manchmal ein bisschen patzig wird, davon nicht irritieren. Wie ein autistischer Stalker bombardiert er den Superstar weiter mit Mails und zieht ihn unfreiwillig in die Handlung des Romans hinein, indem er ihn von Mail zu Mail über den Fortgang der Geschichte auf dem Laufenden hält.

Willis ist eine unwillige Romanfigur, die ihren Autor sitzen lässt. Insofern er ein echter Mensch ist, wird man ihn nicht gegen seinen Willen in den Roman hineinkriegen. Insofern er aber auch das Geschöpf des Schriftstellers Rammstedt ist, hat er keine Chance, sich gegen seine erzählerische Vereinnahmung zu wehren. Klingt kompliziert, aber alle erzähltechnischen Paradoxien, die sich daraus ergeben, löst Rammstedt bravourös: »Ich solle aufhören, ständig von diesem Bankberater anzufangen, den Sie nicht kennen würden, den Sie nicht kennen möchten, den ich mir doch schließlich nur ausgedacht hätte. ›Fangen Sie endlich mal an, zwischen Fantasie und Wirklichkeit zu unterscheiden‹, sagen Sie. Und ich frage, zu was von beidem Sie denn Ihrer Meinung nach gehörten, und das hätte ich besser nicht gefragt, denn sofort halten Sie mich im Schwitzkasten. ›Sehe ich etwa ausgedacht aus?‹, fragen Sie.«

Keine der Pointen, die man aus diesem metafiktionalen Spiel herauskitzeln kann, hat Rammstadt übersehen. Doch nach spätestens 50 Seiten sackt der Leser ermattet zusammen, weil diese ganze Pointenvirtuosität wie ein leerlaufendes Räderwerk vor sich hin schnurrt. Ohne jeden Reibungswiderstand einer echten Not oder eines existenziellen Gefühls. Rammstedts Figuren besitzen keinerlei seelische Schwerkraft – leider auch nicht jener in seinem Phlegma an Bartleby erinnernde Bankberater, dessen skurrile, so gar nicht giergetriebene Lebensbetrachtungen etwas funktionslos in den Text eingestreut sind. Immer wieder wird angedeutet, dass bei der Autorfigur »Tilman Rammstedt« gerade nicht alles so gut laufe (»Liebe, Körper, Beruf«). Irgendwie hängen die Bruce-Willis-Projektionen mit »Rammstedts« psychischer Deprivation zusammen. Das genauer auszuführen, spart sich der echte Rammstedt. Wie jemand, der lieber Witze reißt, um nicht über Gefühle reden zu müssen. So bleibt der neurotische Zwangshumor ohne existenzielle Triebfeder. Es ist die Simulation eines Romans durch einen metafiktionalen Trick. Beim nächsten Mal muss Tilman Rammstedt richtig ran.