Was machen Sie bis zum 21. Dezember, dem Tag, da laut Maya-Kalender die Zeit und damit die Welt endet? Die bürgerliche Presse, die mit den progressiven Medien den Kulturpessimismus teilt, hat die Vorteile der Apokalypse voll ignoriert. Dabei liegen sie auf der Hand. Alles, was in diesem Jahr hinausgeschoben worden ist, darf nun liegen bleiben: Steuern erklären, Schulden bezahlen, Zeitungsstapel entsorgen, Schwiegereltern besuchen, Muskeln stählen, Laster ablegen.

Alles, was uns eine bessere Zukunft bescheren soll, quält nicht mehr, denn es gibt keine Zukunft. Das ist traurig für die Gießblei- und Raketenverkäufer, aber eine kosmische Verheißung für alle anderen. Der Euro, die kommende Mega-Inflation, der nächste Bankenkrach, der Strompreis, das Schicksal der FDP, Merkel bis 2021, die Klimakatastrophe – sie alle verblassen angesichts des nahen Endes der Welt. Denn mit ihr endet auch alles Ungemach.

Diese anheimelnde Aussicht erlaubt es dennoch nicht, alle viere von sich zu strecken, gar ein letztes Mal die Sau rauszulassen. Denn wir wissen nicht, was nach dieser Welt kommt. Wirklich das Nichts? Es könnte zum Beispiel auch jenes Jenseits sein, das bei den Griechen und Römern sowie im Christentum eine hervorgehobene Rolle spielt. (Juden und Hindus müssen sich nicht sorgen, denn ohne die Welt gibt es weder Auferstehung noch Wiedergeburt; da ist echt Ende.) Im Hades/Jenseits aber könnten wir auf die Gattin treffen, die wir so leichtsinnig am 20. Dezember mit ihrer besten Freundin betrogen haben.

Oder auf den Freund, der dringend (wg. Weihnachtseinkauf) den geliehenen Hunderter zurückgefordert hatte, aber nur Höhnisches erntete: "Den brauchst du jetzt nicht mehr." Die Chefs werden von den Unterlingen verfolgt werden, denen sie mit einem ähnlichen Spruch die Beförderung versagt hatten. Kubicki wird auch im Jenseits den Rösler vor sich hertreiben. Keinesfalls vergessen dürfen die Gläubigen die Bibel-Passagen über Schuldendienst und Zahlungsmoral. Wer weiß, ob nicht in Himmel oder Hölle eine Ecke reserviert ist für ein über-/unterirdisches Finanzamt, das bekanntlich nie vergisst?

Die Welt endet, die Verantwortung nicht. Also bleibt der Mensch an der Leine und in der Pflicht. Er muss sich auch vor dem 21. 12. 12 (eine ominöse Reihung) zügeln und bessern. Außerdem darf er sich an den Bushido-Song halten: Hoffnung stirbt zuletzt. Oder, was in der Weihnachtszeit noch besser passt, an Genesis 6–9, die vom ersten Weltuntergang (auf Modern: Klimakatastrophe) künden, nämlich der Sintflut. Ein einziger Gerechter, Noah, hat weiland die Welt gerettet und sie auch noch verbessert, indem er den Weinanbau erfand. Das Bekömmliche und Gerechte fanden Wohlgefallen vor dem Herrn, und Noah durfte hernach noch 350 Jahre leben. Das reicht vorerst auch für unsere Welt.

Bleiben Sie also im Geschirr und so anständig wie Noah. Dann erleben wir auch den 22. Dezember und können frohlocken: "Wieder mal davongekommen!" Wie Neujahr 2000, als der "Millennium-Bug" sämtliche PC-Betriebssysteme zerfetzt haben würde. Tatsächlich aber kamen Facebook und Twitter in die Welt. Im Großen und Ganzen sind Saint-Émilion und Pomerol besser – die Ur-Erben des Start-ups, den wir Noah und dem Untergang verdanken.