DIE ZEIT: Viele Abteilungen des Deutschen Museums wirken ziemlich verstaubt und nicht mehr zeitgemäß. Ärgert es Sie, wenn Ihr Haus schon mal als der "kranke Mann am Isarstrand" bezeichnet wird?

Wolfgang Heckl: Manche unserer Ausstellungen brauchen eine Runderneuerung. Deshalb gibt es seit 2011 einen Sanierungsvertrag. Bis 2025 wollen Bund, Land und private Spender 400 Millionen Euro in die grundlegende Sanierung des Hauses stecken. Das ist ein Kraftakt, der allerdings überfällig war.

ZEIT: Wie kann es sein, dass ein kultureller Leuchtturm wie das Deutsche Museum so vernachlässigt wurde?

Heckl: Es war schlicht zu wenig Geld da. Unsere Zuwendungsgeber dachten immer, die haben 1,4 Millionen Besucher pro Jahr, das läuft doch. Aber uns geht es nicht anders als anderen öffentlichen Museen in Deutschland. Viele sind im Betrieb und vor allem bei den Erhaltungsmaßnahmen unterfinanziert. Unsere Betriebsmittel für rund 75.000 Quadratmeter Fläche liegen zurzeit bei rund 30 Millionen Euro jährlich, also gut 20 Euro pro Besucher. Schauen Sie sich die Cité des Sciences in La Villette in Paris an! Die haben 120 Millionen Euro und doppelt so viele Mitarbeiter, aber nur die Hälfte unserer Ausstellungsfläche.

ZEIT: Spiegelt sich Ihrer Meinung nach in dieser politischen Unterbewertung auch ein gewisser Technik-Skeptizismus der Gesellschaft?

Heckl: Ich glaube, es geht allgemein um den Stellenwert von Bildung. Die Gesellschaft muss begreifen, dass wir für die Heranbildung des wissenschaftlich-technischen Nachwuchses eine eminente Rolle spielen. Viele Wissenschaftler, darunter auch Nobelpreisträger, wären nie Wissenschaftler geworden, wenn ihre Eltern sie nicht ins Deutsche Museum geführt hätten.

ZEIT: Gibt es Abteilungen, die Sie im Zuge der Erneuerung dauerhaft schließen werden?

Heckl: Auf den Faradayschen Käfig und unser populäres Besucher-Bergwerk wird auch in Zukunft niemand verzichten müssen. Aber es gibt einzelne Abteilungen wie die Textiltechnik, die wir bis auf Weiteres in unser neu zu bauendes Exponatarchiv auslagern. Andere, wie die Abteilungen Schifffahrt oder Bergbau, bleiben zwar erhalten, werden aber nicht mehr grundlegend weiterentwickelt. Sie sind dann so etwas wie ein historischer Abriss, ein Museum im Museum. Wieder andere Abteilungen bekommen ein grundlegendes Lifting. So bauen wir die Landwirtschaft zur Abteilung "Landwirtschaft und Ernährung" aus. Dort wird künftig die Frage im Mittelpunkt stehen wie man die Nahrungsmittelversorgung von acht Milliarden Menschen sichern kann. Themen sind etwa die Agrar- und Energietechnik, die satellitengestützte Fernerkundung und Wasserversorgung. Das reicht bis zur Biotechnologie und zu Konfliktthemen wie der grünen Gentechnik.

ZEIT: In der Kerntechnik-Ausstellung spielt die gesellschaftliche Diskussion über Atomkraft, über Ausstieg und Endlagerung so gut wie keine Rolle.

Heckl: In dieser Abteilung werden bislang die Grundlagen der Kerntechnik erläutert. Wie funktioniert ein Atomkraftwerk? Wie wird Uran gewonnen? Wie werden daraus Brennstäbe? Wir werden aber die Einbettung unserer Exponate in gesellschaftliche Zusammenhänge weiter verbessern. Wir wollen nicht nur Ehrfurcht gebietende wissenschaftliche Meilensteine wie Otto Hahns Kernspaltungsexperimentiertisch präsentieren, sondern die Besucher auch in einen Dialog über Chancen und Risiken moderner Technologien involvieren.

ZEIT: Wie politisch darf eigentlich ein Technikmuseum sein?

Heckl: Wir wollen in erster Linie Argumente für Antworten liefern. Die Menschen sollen sich bei uns seriös informieren, um dann selbst, jeder für sich, eine Antwort finden zu können. Ich denke, in unserer neu gestalteten Abteilung über die Nanotechnik ist das schon ganz gut gelungen. Es gibt dort übrigens auch ein gläsernes Labor, in dem die Besucher echten Wissenschaftlern bei ihren Forschungsarbeiten über die Schulter gucken und Fragen stellen können.