Niemand wusste bislang, wo genau Friedrich Dürrenmatt begraben ist. Seine zweite Ehefrau, die inzwischen verstorbene Schauspielerin und Regisseurin Charlotte Kerr, teilte lediglich mit, sie habe seine Asche irgendwo auf dem Dürrenmattschen Anwesen begraben. Doch nun gibt das ehemalige Hausfaktotum der Dürrenmatts, die 36 Jahre lang das Alltagsleben der Familie geteilt hat, erstaunliche Auskünfte. Dürrenmatt sei unter einer großen, von Charlotte Kerr einst samt der Asche des Autors umgepflanzten Trauerbuche begraben: und zwar gemeinsam mit der Asche seiner ersten und seiner zweiten Ehefrau. Wie kam es dazu? Als Dürrenmatts erste Ehefrau Lotti Geißler 1983 starb, begrub Dürrenmatt ihre Asche unter der Trauerbuche nahe seinem Bürohaus. Als er ein Jahr später Charlotte Kerr heiratete und mit ihr in das umgebaute Bürohaus zog, plagte ihn sein Gewissen: Das neue Glück mit Charlotte und die Asche Lottis sollten nicht so nahe nebeneinanderliegen. Deshalb grub Dürrenmatt gemeinsam mit der Haushälterin Lottis Urne heimlich wieder aus und vergrub sie unter einer anderen Trauerbuche. Nichts ahnend, erkor Charlotte Kerr just diese Lotti-Trauerbuche im Jahr 1990 zur letzten Ruhestätte Dürrenmatts. Sie verstreute seine Asche unter der Trauerbuche, unter der heimlich bereits Lotti lag. Als der Baum im Jahr 1998 gefällt werden sollte, ließ Charlotte Kerr die Buche samt dem Erdreich, in dem das Ehepaar Dürrenmatt ruhte, per Helikopter verpflanzen. Nach ihrem Tod 2011 wurde auch ihre Asche auf ihren Wunsch unter dem verpflanzten Baum begraben, ohne dass sie gewusst hätte, dass sie das Grab dort auch mit Lotti teilen würde. Der Baum steht jetzt mitten in der Wiese des Dürrenmattschen Anwesens.