Natürlich ist es in bestimmten Lebenssituationen sinnvoll, die Zukunft planend in den Blick zu nehmen. Nicht jede Planung ist angstgesteuert. Haushaltsplan, Ferienplan, Schulplan – diese Dinge gehören zum Alltag dazu. Aber das Leben selbst kann man nicht planen.

Die wichtigsten Ereignisse in meinem Leben haben sich jedenfalls nicht aufgrund von Planung ergeben. Die großen Freundschaften sind ungeplant entstanden. Plötzliche Krankheit und Tod haben Planungen durchkreuzt. Geschenke kann man nicht planen, jedenfalls nicht diejenigen Geschenke, die man bekommt. Krisen kommen ungeplant, sosehr man gerade auch deswegen plant, um Krisen zu vermeiden. Auf dieser entscheidenden Ebene der Wirklichkeit versagt das Planungsdenken. Aus Planungsdenken wird Angstdenken, wenn es sich anmaßt, das Leben in den Griff bekommen zu können. Gott vertrauend hingegen gehen wir nicht durch das Leben wie Spaziergänger, die die Vergangenheit hinter sich und die Zukunft vor sich haben. Vielmehr rudern wir, die Zukunft im Rücken, die Vergangenheit vor unseren Augen. Je länger wir rudern, umso mehr Landschaft breitet sich vor unseren Augen aus. Erst im Zurückschauen erkennen wir, wie einzelne Puzzleteile unseres Lebens zusammenhängen und einen Sinn ergeben.

Ich verstehe Weihnachten so, dass Vertrauen die Quelle des Lebens ist: Das Kind legt sich in die Arme der Menschheit. Damit fängt alles an. Das ermutigt dazu, auch selbst alles Bescheidwissen über Gott beiseite zu legen und rückblickend die Geschenke in den Blick zu nehmen, die unseren Lebensweg säumen.

KLAUS MERTES

Hofft das Richtige

Fürchtet euch nicht? Doch! Fürchtet euch! Das ist die Botschaft: Geht gegen alles an, was Furcht macht, was Düsternis verbreitet, was Natur zerstört, was gnadenlos ausbeutet, was Brot vorenthält und Freiheit beschränkt, Denken verengt, destruktive Gefühle anheizt, was Geld herrschen und Macht entgleiten lässt! Mag sein, dass die Welt morgen untergeht, schrieb Dietrich Bonhoeffer 1942, doch erst dann wollen wir die Arbeit für eine bessere Welt niederlegen, vorher nicht.

In der Welt habt ihr Angst. Aber seid getrost, sagt Jesus: Ich habe die Welt überwunden. Eure Furcht hat Gründe. Doch lasst das Zagen, verwandelt es in Klagen. Mit Mut und Demut. Angst lähmt. Mut macht Mut. Hoffnung lässt uns nicht zuschanden werden. Wer wollte leben ohne die Hoffnung, dass ein Liebeswort die Angst überlebt? So hat die Dichterin Rose Ausländer es formuliert. In der Liebe ist keine Furcht. Durch Liebe revolutioniert das Christentum die alte Gottesvorstellung. Nicht länger dienen Opfer zur Besänftigung der Götter. Gott wird zum Synonym für Liebe, für das Grundvertrauen, das sich der Angst entgegenstellt.