Peter Handke ist seit 1966 Autor des Suhrkamp Verlags, seit einem Vierteljahrhundert kennt er die jetzige Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz. Erstmals begegneten sie sich 1987 in Venedig, als er sie mit ihrem späteren Mann und damaligen Verleger Siegfried Unseld traf. "Schöne Stunden mit Dir und der liebenswürdigen Frau", schrieb er auf einer Postkarte an Unseld, der ihm am gleichen Tag ebenfalls eine schickte, inklusive Gruß von Ulla Berkéwicz: "Es war so schön! Masel und Broche für Dich. Rachele". Wie eng Peter Handkes Weg mit dem Verlag verbunden ist, dokumentiert der soeben erschienene Briefwechsel mit Unseld.

Nun ergreift Handke im aktuellen Rechtsstreit das Wort. Handke, der Jura studiert hat, hält ein vehementes Plädoyer für die verurteilte Mehrheitsgesellschafterin Unseld-Berkéwicz und attackiert den bislang obsiegenden Minderheitsgesellschafter Hans Barlach ("HB") . Handke, der die meisten seiner Texte seit Jahrzehnten mit Bleistift verfasst (Minenstärke HB) , ironisiert die alten, zum Klischee gewordenen Erzählungen über den Suhrkampkonflikt, über die schwarz und in Leder gekleidete "Witwe" ("UB, alias US, alias UUB, alias UBU" : Ulla Unseld-Berkéwicz) und Siegfried Unselds "einzigen Sohn" Joachim, der seine Anteile an Suhrkamp 2009 verkaufte.

Anspielungsreich attackiert Handke vor allem die aktuelle Berichterstattung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über den Gesellschafterstreit: J ürgen Kaube hatte in einem Leitartikel ("Leitschmähschrift") vom 12. Dezember die Politik der Suhrkamp-Geschäftsführung kritisiert; Handke moniert die Rhetorik des Artikels, der unter anderem den Titel der bald erscheinenden Erzählung von Ulla Unseld-Berkéwicz ironisch einbezog und der Verlagsleitung mangelhafte Arbeit vorhielt. Scharf geht Handke ebenfalls mit den Aussagen des "lebendigen HB" um: Hans Barlach hatte seine Position in einem ganzseitigen Interview mit der FAZ am 13. Dezember erläutert, auch auf den geringen Verkauf der Bücher der Autorin Ulla Unseld-Berkéwicz verwiesen und sich über die Bezeichnung seiner Person als "Hänschen" beklagt. Für Handke ist Barlach der eigentliche Störer ("der auch innerlich nackte Tarzan auf seiner Geldscheinliane"), der nie konstruktiv am Verlag mitarbeiten wollte und dem jetzt absurderweise das Recht hold sei.

Peter Handkes Traum von seinem Verlag sieht anders aus: Er wünscht sich eine Allianz von Verlagsleitung, Autoren und ehemals leitenden Suhrkamp-Mitarbeitern, darunter Joachim Unseld, Rainer Weiss, Programmgeschäftsführer bis 2006, der 2007 Weissbooks gründete, und Günter Berg, der 2003 als verlegerischer Geschäftsführer gehen musste und heute Hoffmann und Campe leitet. Und Handke macht Hans Barlach ein Friedensangebot : Er würde das Drama Der Blaue Boll von Barlachs Großvater, dem Bildhauer Ernst Barlach, in andere Sprachen übersetzen, damit der Enkel sich um das literarische Werk des Großvaters, bislang beim Piper Verlag, in einem "neuen Verlag" verdient machen könne.

Die Intervention Peter Handkes steht in einer langen Streittradition des Autors: Bereits der 23-Jährige antwortete auf einen gegen ihn gerichteten "Offenen Brief" von Günter Grass – drei Jahrzehnte später wurde Peter Handke während der Balkankriege zum Streiter für Serbien. Nun wirft er sich für seine Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz in die Schlacht.