Menü in der Tüte

Dass vielen Kunden die Zeit (oder die Fantasie) fehlt, sich selbst ein Rezept fürs abendliche Essen auszudenken, haben mittlerweile auch Supermarktbetreiber erkannt. Deshalb locken sie Kochmuffel nun mithilfe bereits gepackter Menütüten in die Läden. Fertig abgepackt finden sich darin alle für das entsprechende Rezept notwendigen Zutaten.

Die Feinkostkette Perfetto (Karstadt) beispielsweise offeriert zwei Gerichte, die nahe der Kasse in einer Kühltheke bereitliegen. Tüte schnappen, zahlen – und das Kochen kann beginnen. Die Gerichte sind einfach zuzubereiten, frisch und gut.

Begehbares Rezept

Einen Schritt weiter geht das Unternehmen Kochhaus, das derzeit fünf Filialen in Deutschland hat (in Hamburg und Berlin). Dort wird das Konzept des "begehbaren Rezeptbuchs" umgesetzt: Jede Woche werden in den Läden rund 20 Gerichte präsentiert, die dazu notwendigen Zutaten finden sich alle gesammelt auf einem Tisch. Sortiert wird also nicht mehr nach Produktgruppe, sondern nach Rezept. Fototafeln zeigen, was und wie viel man etwa für ein Zitronenrisotto mit Feigen und Parmaschinken als Hauptgang sowie für den Mango-Limetten-Shortcake mit Frischkäse und Minze als Dessert benötigt; man erhält Auskunft darüber, wie lange die Zubereitung dauert und welche Küchengeräte man braucht. Die Mengen sind jeweils auf das Menü abgestimmt – einfacher kann man es Kochwilligen kaum machen.

Liefern statt kaufen

Wem auch das noch zu viel ist, der kann sich die Zutaten direkt nach Hause liefern lassen. Der Vorreiter unter diesen Lieferdiensten nennt sich "KommtEssen" und stammt aus Schweden. Mittlerweile wächst die Branche in Deutschland. Neben KommtEssen liefern auch die Anbieter Kochzauber, KochAbo, Schlemmertüte und HelloFresh.

Allerdings sollte man zum Zeitpunkt der Lieferung möglichst zu Hause sein. Sonst stehen die frischen Zutaten erst einmal stundenlang im Hausflur. Auch mit der Ökobilanz ist das so eine Sache: HelloFresh etwa packt seine Kisten zentral in Berlin und liefert von dort deutschlandweit, KommtEssen hingegen stellt die Tüten regional zusammen, was die Transportwege verkürzt.

Alle Lieferanten haben den Anspruch, dass die Gerichte einfach und in überschaubarer Zeit (etwa 45 Minuten) zubereitet werden können. Das erfordert jedoch einiges an Disziplin, Koordination und mitunter auch den Einsatz von Küchengeräten. Zudem werden Basiszutaten nicht immer mitgeliefert. Mehl, Tomatenmark oder Honig können schon einmal fehlen; diese Zutaten sind in vielen Haushalten ohnehin vorhanden, und für kleine Mengen von Honig oder Tomatenmark würde verhältnismäßig viel Verpackungsmaterial anfallen.

Was passt zu mir?

Letztlich ist es eine Abwägung zwischen Autonomie und Faulheit. Will man über seine Menüauswahl selbst bestimmen, kommt man um die Last (oder Lust) des Einkaufens nicht herum. Wer es lieber bequem mag und sich die Zutaten ins Haus bringen lässt, muss dagegen mit den Rezepten vorliebnehmen, die von den Lieferanten zusammengestellt werden. Bei einigen kann man immerhin zwischen vegetarischen und nicht vegetarischen Angeboten wählen, die Rezepte selbst sind jedoch stets eine Überraschung. Wer sich dafür entscheidet, sollte also eine gewisse Experimentierfreude mitbringen sowie die Bereitschaft, immer wieder Neues auszuprobieren. Alina Schadwinkel