Gott in Urlaub
Der Herr hat verstanden

Anfang Januar 2013 wird Gott sagen: "Ich habe genug von euch!" Er wird sich an einen sehr fernen Ort zurückziehen, um sich auszuruhen. Natürlich werden die Christen ihn weiter anrufen, Muslime, Juden und einige andere Gruppen werden es ebenfalls tun. Sie werden beten, klagen, schreien, auf Knien rutschen, Buße tun, beichten und allerlei andere Verrücktheiten unternehmen, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber Gott wird sie nicht erhören. Denn 2013 nimmt er Urlaub. Er ist müde, um nicht zu sagen: angewidert von uns Menschen.

Was musste er sich nicht alles ansehen im vergangenen Jahr? In Kairo hat man ihn zum Verfassungsvater gemacht. Ausgerechnet er, der von Politik nie etwas wissen wollte, wurde in den Schmutz des politischen Alltagsgeschäfts gezogen. Der sture Papst in Rom behauptet immer noch, Beischlaf sei im Kern Fortpflanzung im göttlichen Auftrag, wobei sich nicht einmal Gott, der nichts vergisst, erinnern kann, je so etwas behauptet zu haben. In Israel wird in seinem Namen Land gestohlen und in Syrien in seinem Namen gemordet. Wohin er blickt, sieht er nur Heuchelei! Bitte, da kann man von Glück reden, dass Gott nicht schlecht geworden ist und sich erbrochen hat.

Gott hat verstanden, dass es ihm besser ging, als die Menschen weniger an ihn glaubten. Da ließen sie ihn nämlich mit ihrem Alltagskram in Ruhe, mit ihrer Grausamkeit und ihrer bitterbösen Hinterhältigkeit. Je weniger er von uns hörte, desto weniger musste er an uns zweifeln. Doch jetzt, da wir ihm seit einigen Jahren wieder so frömmelnd auf den Leib rücken, wird er sich fragen: "Ich soll diese Menschen geschaffen haben? Nein! Nie in meinem langen Leben habe ich das getan!"

Ja, Gott wird 2013 nicht mehr da sein. Das ist das Beste für ihn, er braucht dringend Schonung. Und es ist das Beste für die Menschen, denn auf Gott können sie dann nicht mehr verweisen, um ihre Taten zur rechtfertigen. Sie haben die Verantwortung, niemand sonst.

Ulrich Ladurner