Weihnachten, man mag gar nicht daran denken, ist auch die Zeit der Märtyrer. So gedenkt die Christenheit in diesen Tagen des heiligen Stephanus, eines Sinnbilds der Feindesliebe. Er war Diakon, das bedeutet Diener, der christlichen Urgemeinde zu Jerusalem und wurde gesteinigt, da er seiner Überzeugung treu blieb. Doch wer glaubt, Märtyrertum sei eine Sache des Altertums, irrt. Die Sitten sind allerdings längst nicht mehr so rau wie einst. Steine werden nicht mehr geworfen, bestenfalls werden sie heimtückisch in den Weg gelegt. Dem aufopfernden Diakon des Landes Kärnten etwa, der nur das Wohl der Heimat im Sinn hatte. Ein willfähriges Scherbengericht hatte keinerlei Beweise zur Verfügung – mit Ausnahme einer mit Rauschen gefüllten Tonaufzeichnung. Daraus, aus dem Flug der Vögel und dem Sud koffeinhaltiger Getränke wurde ihm der Strick gedreht. Ein Akt juristischer Barbarei widerfuhr auch einem anderen Helden des Landes. Ihm, der schmutziges Geld immer verabscheute, wurde seine Reinlichkeit zum Verhängnis. Er wusch und wusch, besonders seine Hände in Unschuld. Er war nach eigenen Angaben "zu blöd, um etwas mitbekommen" zu haben. Den Schergen einer willkürlichen Justitia ist das Anlass genug, um den Hilflosen an den Pranger zu stellen. Märtyrer zu sein bedeutet ja eigentlich, Zeugschaft abzulegen, und so entsteht angesichts dieser Beispiele gerade jetzt in der stillsten Zeit des Jahres ein ungeahntes Ausmaß von neuem Martyrium. Es handelt sich dabei um das Leid der schutzlosen Bevölkerung, die tatenlos dem Treiben zusehen muss und stoisch die kostspieligen Konsequenzen erträgt.