Freunde sind teuer – das stellt man fest, wenn man vor Weihnachten in der Kassenschlange steht. Unschlüssig wiegt man das ausgesuchte Hardcover in der Hand und überlegt, ob für Max das Taschenbuch nicht auch genügt.

In wie viele Freunde soll man investieren? Verschiedene Kulturen und Milieus beantworten diese Frage ganz unterschiedlich. Amerikaner etwa setzen auf eine breite Netzwerkstrategie, die sich im Extrem in Facebook spiegelt, wo man ganze Hundertschaften sogenannter Freunde sammelt. In Ghana hingegen gilt es als dumm, sich mit zu vielen Freunden zu belasten, die einem die letzten Haare vom Kopf fressen könnten.

US-amerikanische Forscher haben jetzt untersucht, wie viele Freunde ein Mensch braucht (Psychological Science online, 5. 11. 2012). Die These der Psychologen Shigehiro Oishi von der University of Virginia und Selin Kesebir von der London Business School: Das ideale Netzwerk ist abhängig von der Mobilität und von ökonomischen Faktoren. Sie befragten dazu 247 Personen, die ihre sehr nahen, nahen und entfernteren Freunde auflisteten sowie die Zeit, das Geld und die Energie, die ihnen die Freundschaft wert war. Zusätzlich wurde ihre Lebenszufriedenheit erhoben, ebenso wie das durchschnittliche Haushaltseinkommen und die durchschnittliche Mobilität in ihrer Wohngegend.

Das Ergebnis: Wer viel umzieht, braucht mehr Freunde, und wenn es nur lose sind, denn er verliert auch immer wieder welche. Wer sesshaft ist, sollte sich besser der engen Freundschaft einiger weniger versichern – die sind auf jeden Fall da, wenn etwas schiefgeht. Ärmere Menschen waren zudem mit wenigen sehr guten Freunden glücklicher (als normale Zahl nennen die Autoren aus früheren Untersuchungen sechs), mehr konnten sie sich gar nicht leisten. Reichere waren hingegen mit einem großen Netzwerk zufriedener (etwa um die 30); im Notfall würden sie für sich selber sorgen.

Bleibt die Frage, was mit Vereinen ist, die sich gerade unter Sesshaften großer Beliebtheit erfreuen. Und die Frage, was Reiche machen sollen, wenn sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten und dadurch aus ihrem lose geknüpften Netzwerk fallen. Die Sache mit dem Buch ist längst geklärt. Max hat die Hardcover-Ausgabe bekommen. Ein echter Freund fragt nicht nur nach dem Nutzen.