Eben noch fühlten wir uns mit unserem Bleigießset, zwei Päckchen Luftschlangen und einem Arm voll Raketen hinreichend ausgestattet für die Feierlichkeiten zum bevorstehenden Jahreswechsel. Verglichen mit dem indischen Frühlingsfest Holi wird jedoch schnell klar, dass Europa das Prinzip Ausgelassenheit meist viel zu hasenfüßig interpretiert. 

Nehmen wir uns für Silvester also ein Beispiel an den Bewohnern der Region Braj, die dafür bekannt sind, den Anbruch des Frühlings in den Monaten März und April besonders ausschweifend zu feiern. 40 Tage lang bewirft man sich dort mit Farbe und trinkt jede Menge Bangh dazu – ein Getränk, das aus der weiblichen Cannabis-Pflanze hergestellt wird. Beneidenswert.

Dass Spiritualität weit mehr umfasst als starre Rituale, führt der opulente Band Heiliges Indien mit einem Bilderbogen aus 108 Panoramen vor Augen. Darin beleuchtet der Fotograf Amit Pasricha die ekstatischen Traditionen seiner Heimat ebenso wie leere Landschaften, heilige Tempel, den Alltag der unterschiedlichen Glaubensgruppen des Subkontinents und den Kontrast zwischen Tradition und Moderne.