DIE ZEIT: Frau Klussmann, was ist für Sie gute Lehre?

Heike Klussmann: Gute Rahmenbedingungen schaffen, Wege aufzeigen, wie Wissen gewonnen wird, und damit verbunden eine intensive persönliche Betreuung.

ZEIT: Sie haben den Hessischen Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre für Ihr Projekt "Bau Kunst Erfinden" erhalten. Was machen Sie da?

Klussmann: Studierende, Lehrende, Forschende, Künstler und Wissenschaftler arbeiten gleichberechtigt im Team zusammen, sie kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen wie Bildende Kunst, Architektur oder Experimentelle Physik, und gemeinsam erfinden sie neue Dinge, die all diese Bereiche verbinden, zum Beispiel neue Materialien.

ZEIT: Was haben die Studenten davon?

Klussmann: Sie können in kurzer Zeit viel Erfahrung und Wissen gewinnen, denn sie brauchen Forschergeist und Eigeninitiative, müssen sich selbst organisieren und improvisieren können. Wir haben ein Do-it-yourself-Labor, in dem sie eigenhändig Maschinen wie eine Fräse oder einen 3-D-Drucker entwickeln und bauen.

ZEIT: Sie sind Professorin für Bildende Kunst, jetzt entwickeln Sie neue Materialien, was hat das miteinander zu tun?

Klussmann: Kunst bedeutet vor allem auch, Wissen miteinander zu verknüpfen, Fragen zu stellen und neue Wege zu den Antworten zu suchen.

ZEIT: Sie haben leuchtenden Beton entwickelt. Wozu braucht man den?

Klussmann: Man kann ihn in Fassaden, Treppen oder Tunneln verbauen. In die Oberfläche sind Mikroglaskugeln eingebettet, die Licht in das Auge des Betrachters reflektieren. Das geschieht aber nur bei einem bestimmten Blickwinkel. Dieser Licht reflektierende Beton "BlingCrete" leuchtet also kurz auf, wenn man vorbeigeht. So ähnlich wie Leitpfosten am Straßenrand.

ZEIT: Was werden Sie mit den 125.000 Euro Preisgeld machen?

Klussmann: Wir werden das mit den Studenten gemeinsam entscheiden. Das Preisgeld ist Treibstoff, um weiter in Bewegung zu bleiben!