Neulich habe ich das Matriarchat besucht. Angeblich gibt es ja kein Matriarchat, sagt die Forschung, bei der Vorstellung einer reinen Frauenherrschaft handle es sich vermutlich um eine Männerangstfantasie, möglicherweise aber auch um Frauenideologie mit kompensatorischen Anteilen für den feministischen Frustrationsausgleich. Aber da war sie doch, die hundertprozentige Frauenquote: zugegebenermaßen fast auf der anderen Seite der Welt, auf kleinem Gelände, einer Insel, besser gesagt, handelte es sich um einen luftigen Palmenhain. Darin lag ein Gästehaus. Der Indische Ozean donnerte jenseits des Palmensaums nur so heran, was eine bedrohliche Soundkulisse ergab, drinnen aber: Ruhe und Heiterkeit. Eine weißhaarige Lady war die Queen. Ihr zur Seite stand eine junge Frau von großer Eleganz, die wiederum hatte zwei Assistentinnen, alle vier Frauen zusammen ergaben die Führungsebene. Wen führten sie? Männer! Zehn, fünfzehn Männer, und was für Männer! Junge, zarte, kräftige, höfliche, hilfsbereite Männer, man könnte sagen: Hausmänner.

Wasantha und Chamila wirkten in der Küche, für Linsensüppchen und süße Bananencreme. Nandana und Sumudu und ihre Crew waren Zimmermännchen, sie arrangierten anmutig Blüten in Wasserschalen, roten Hibiskus an wächsernen Frangipani, bohnerten die dunklen Holzdielen, bis sie wie Spiegel glänzten, Laken wurden glatt gezogen, Moskitonetze festgesteckt, als gelte es, Kinder sicher für die Nacht einzulagern. Im Garten sah man muskulöse Kerle umherstratzen, mit Macheten ausgestattet, im Gefolge der zierlichen Queen, auf kleinste Hinweise fielen sie her über das üppige Grün, zack und hau. Kein lautes Wort. Wie es denn so sei für eine Männermannschaft unter Frauen, fragte ich nur mal so. Tiefes Lachen. Also, was fühlen Männer, wenn sie Blumen stecken? Betten machen, feudeln, die klassischen Frauenjobs? "Women’s jobs?", fragten sie. "No, no! This hard work. Only men can do it, not women!"

Darüber nachzudenken füllte heiße Nachmittage. Verändert sich das männliche Gehirn unter Frauenkommando? Der Hormonpegel? Über mir wedelten die Palmen aufs Heftigste, weil einer der Kerle in gefühlter Höhe von 25 Metern eine Kokosnuss runterholte, in meiner Hand lag ein Buch, auf dessen Cover eine Schaluppe namens Sophie abgebildet ist und in der Burschen in nicht weniger zitternden Masten hingen. Hochgescheucht von einem Captain Jack Aubrey, damit sie nach Schiffen spähen, die er kapern könnte. Fette Prisen! Das Buch heißt Kurs auf Spaniens Küste, die Leihgabe eines Freundes, es soll mich in Männerangelegenheiten fortbilden. Auf der Sophie gibt es jedenfalls keine Genderkonflikte, weil Jack, bevor er in Mahón in See stach, alle Frauen von Bord gejagt hat. Wie ist es also, nur unter Männern? Die Küche produziert stinkendes Hammelfleisch, auch die Schlafräume haben ein sehr eigenes Aroma. Es wird auf der Sophie in vielerlei Hinsicht gedonnert und getobt, anschließend müssen Hoden wieder angenäht werden. Fühlen diese Männer? Was? Könnte man sich fragen, gäbe es nicht diese ruhigen Momente vor einem Sturm oder Überfall. Da sitzen sie, Piraten Ihrer Majestät, vor der untergehenden Sonne, auf Deck, mit aufgelöstem Haupthaar, das der Wind bewegt, "die nassen Strähnen schlangenartig glatt und dünn, es sträubte sich nach dem Trocknen und vor dem Ölen als wilde Mähne und verlieh seinen Besitzern etwas schrecklich Wüstes und Kassandrahaftes..." Dann flechten sie ihre Haar zu langen Zöpfen, ob wie Männer oder wie Frauen, wer will das sagen?