Leider ist die ewige Frage, ob Gott nun ein Mann oder eine Frau sei, bis heute ungeklärt, weshalb zu Weihnachten ein politischer Streit über das Geschlecht des höchsten Wesens halb Deutschland in Aufruhr versetzte. Sogar die Bundesregierung in Gestalt ihres Sprechers Steffen Seibert mischte sich ein. Was, um Himmels willen, war geschehen?

Die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder hatte im Interview mit der ZEIT erzählt, wie sie das Genderproblem im Alltag löst: Man könne doch einfach DAS Gott sagen. Gott ein Neutrum zu nennen ist nun nicht besonders elegant, und wir würden das in der ZEIT aus stilistischen Gründen vermeiden. Wir hängen ein bisschen an Luthers Bibelübersetzung und fürchten uns vor dem rhetorischen Problem, das entsteht, wenn man nicht mehr sagen darf: DER Herr segne und behüte euch, sondern nur noch: ES. Wer möchte schon von einem Personalpronomen gesegnet werden?

Aber wir sind doch froh, dass die Bundesregierung die Ministerin verteidigt hat mit dem einzig vernünftigen Argument, das auch der Papst in Rom teilt: Gott ist nicht einfach Mann oder Frau, weil er nicht einfach ein Mensch ist. Das heißt: Gott lässt sich in menschlichen Kategorien nicht beschreiben. Trotzdem können wir Menschen nur menschliche Kategorien benutzen. Das Problem ist unlösbar. Gott ist nur im Widerspruch denkbar.

Manchen Christen fällt das leichter als anderen. Kristina Schröder, wenn sie DAS Gott sagt, denkt dialektisch. Sie integriert die Frauenquote in ihr Gottesbild. Aber sie vermeidet zugleich die feministische Festlegung DIE Gott. Die Feminisierung Gottes war in den Siebzigern hierzulande sehr populär, und der Sponti-Scherz "Als Gott den Mann schuf, übte sie noch" war damals vielleicht sogar politisch geboten. Das Journal of Philosophy hat schon in den neunziger Jahren klargemacht, dass wir in Zeiten leben, wo nicht mehr Männer gegen Frauen und Frauen gegen Männer stehen, sondern man einen versöhnlichen Glauben pflegt. Man sagt nach dem Vorbild des Journals "HE/SHE", also "ER/SIE". Oder eben: "ES". Das ist nicht schön, aber politisch und paartherapeutisch korrekt. Das ist tolerant und postmodern.

Viele Gläubige sind nur noch nicht in der Postmoderne angekommen. Man merkt es daran, dass gewisse Gottesbilder noch immer mit fundamentalistischem Furor verteidigt werden, und an Stilunsicherheiten, die selbst den Berufstheologen unterlaufen. So sagte der Kölner Kardinal Joachim Meisner eben in der Welt, Christentum sei wie Radioaktivität: Wenn man radioaktive Materie berühre, werde man radioaktiv. Wenn man beim Abendmahl Christus berühre, werde man christoaktiv.

Ja, liebe Christen, Nichtchristen und Christoaktive: Im Namen Gottes geschieht viel Kurioses. Aber wunderbar ist doch, dass Gott, wenn es IHN/SIE gibt, sich das alles gefallen lässt. So viel steht fest: ES hat Humor.