Kaum kann der Mensch den Griffel halten, geht es los: Kinder malen Häuser. Damit fängt alles an. Als künstlerisches Thema aber wird Architektur sträflich vernachlässigt. Wer scharf ist auf Architekturzeichnungen, erntet daher im Kunsthandel meist Kopfschütteln. Nicht so bei dem Hamburger Händler Martin Moeller-Pisani. Er zieht seine flachen Schubladen auf und blättert Schätze auf. Und schon haben wir uns in diesen alten Franzosen verguckt: Jean-Charles Delafosse, geboren in Paris 1734 und dort gerade noch rechtzeitig vor der Revolution gestorben, 1789. Ein fleißiger Architekt soll er gewesen sein, und mehr als das. "Heute würde man ihn wohl einen Designer nennen", sagt Moeller. Räumliche Illusion und Trompe-l’Œil schüttelte Delafosse aus dem Ärmel. Er liebte das Dekorative: Kandelaber, Embleme, Trophäen, Pendülen – ach, der Mann wusste kaum, wohin mit seiner Fantasie. Allein womit er dieses Miniatur-Barockpalais aufgebrezelt hat: Sechs Säulen, pompös bestückter Mittelrisalit, zwei Löwen, flankiert von pathetischen Flaggen (Entwurf eines Palastes, 17 mal 22,1 cm, 6500 Euro). Sehr wohnlich sieht diese Schichttorte gar nicht mal aus. Aber was für ein sicherer Federstrich, das weiche Braun, die Spuren schwarzer Kreide... Bei aller Intimität der Maße hat das Ganze doch Stil und Façon. Quelle élégance! Und die Signatur vorn drauf – im perfekten Abstand zum Sockel. Korrekte Proportionen waren ein Kinderspiel für M. Delafosse.