Wenigstens zum Jahresbeginn darf mal ins Blaue prognostiziert und spekuliert werden, oder? Also los, was passiert im Bundestagswahljahr 2013?

Wenn die amtierende Regierung nicht mehr in der Lage ist, die aufgestauten Probleme zu lösen, bekommt normalerweise die Opposition ihre Chance. Doch dafür müssen die Probleme groß genug sein, und die Opposition muss Hoffnung auf Besserung verkörpern. Für die ganz großen Probleme jedoch bietet Rot-Grün keinen Gegenentwurf zu den Ideen von Schwarz-Gelb. Und umgekehrt: Wo die Opposition Alternativen bietet, geht es nicht um große, wahlentscheidende Themen.

In der alles überschattenden Frage, der Euro-Krise, stützt Rot-Grün nörgelnd Merkels Sparkurs. Schließlich wäre eine noch großzügigere finanzielle Haftung für den europäischen Süden bei den Wählern noch unpopulärer. Deshalb scheut Rot-Grün das Risiko, im Wahljahr offensiv für einen solchen Politikwechsel zu werben. Wo man Rot-Grün aber Engagement und Ideen zutraut – beim Thema solidarische Gesellschaft oder der Energiewende –, ist der Problemdruck bei der Mehrheit der Deutschen noch immer nicht groß genug, um politische Wechselstimmung zu erzeugen.

Schwarz-Gelb am Ende

Wo das ausschlaggebende Thema fehlt, ist Raum für polemische Konfrontation. Die entsprechenden Parolen für das Wahljahr sind bereits in Umlauf: Schwarz-Gelb wird von der Opposition als "schlechteste Regierung seit 1949" attackiert, während die Koalition sich als "beste Regierung seit der Wiedervereinigung" verkauft. Die diametralen Urteile schließen sich aus und haben doch beide ihre Plausibilität. Selbst wenn sich 2013 die Konjunktur eintrübt, kann Schwarz-Gelb auf eine ökonomisch überraschend erfolgreiche Legislaturperiode verweisen. Die Bundesrepublik steht im europäischen Vergleich beneidenswert gut da – die Koalition wird nicht aufhören, das den Wählern einzuhämmern. Dagegen wird die Opposition mit nervtötender Ausdauer der Regierung jegliches Verdienst an dieser Entwicklung absprechen. Auch das ist einleuchtend: Dass eine so zerstrittene, unseriöse, peinliche Koalition für eine so positive Entwicklung verantwortlich sein soll, klingt irre. Die Deutschen mögen mit ihrer Lage zufrieden sein, mit ihrer Regierung sind sie es nicht. Sie wollen anständig regiert werden, ohne dass sich allzu Gravierendes ändert. Sie werden deshalb den halben Machtwechsel wählen. Die Kanzlerin, der es gelingt, sich als Garant für eine stabile Entwicklung zu präsentieren, bekommt ihre dritte Amtszeit, die Liberalen, denen der entfesselte Wahnsinn der Koalition angelastet wird, müssen in die Opposition. Immerhin reicht ihr Ergebnis für den Wiedereinzug in den Bundestag.

Merkels Wahl

Angela Merkel darf sich dann – nach Schwarz-Rot 2005 und Schwarz-Gelb 2009 – zum dritten Mal einen Koalitionspartner aussuchen. Numerisch reicht es sogar für eine schwarz-grüne Koalition. Die Grünen haben mit Jürgen Trittin/Katrin Göring-Eckardt ein Duo gefunden, mit dem sie ihren seit Jahren wachsenden gesellschaftlichen Einfluss diesmal auch in Wählerstimmen verwandeln können. Sie werden 2013 das beste Ergebnis ihrer Geschichte erzielen. Einfach wird das nicht. Denn die Attraktivität, die die Grünen als Partei der gesellschaftlichen Mitte entfalten, verunsichert und provoziert zugleich einen Teil ihrer eher linken Stammklientel. Deshalb werden die Grünen Merkel und die CDU besonders scharf attackieren, um so alle schwarz-grünen Debatten vor der Wahl zu ersticken. Man könnte zynisch vermuten, dass der aggressive Wahlkampf am Wahlabend, wenn es für Rot-Grün nicht gereicht haben wird, plötzlich vergessen sein könnte. Doch so "normal" sind die Grünen noch immer nicht. Eine Kampagne, die mit der Parole "Grün oder Merkel" geführt wird, lässt sich nicht zwanglos in eine Regierungskoalition unter Angela Merkel verwandeln. Natürlich könnten die Grünen mit Ursula von der Leyen, Thomas de Maizière und Peter Altmaier eine interessante Regierung bilden. Doch in einer schwarz-grünen Koalition müssten sie eben auch mit Leuten wie Volker Kauder, Markus Söder oder Alexander Dobrindt kooperieren. Dass eine schwarz-grüne Koalition zudem im Bundesrat keine einzige Stimme sicher hätte, macht die Sache auch nicht attraktiver. Die von Merkel nach links verschobene CDU wird sich mit dieser Option so schwertun wie die "bürgerlich" gewordenen Grünen. Gerade weil sie sich in den vergangenen Jahren aufeinander zubewegt haben, sind die Gegenreflexe und Aversionen in beiden Parteien so lebendig. Am Ende wird Angela Merkel doch wieder auf die bewährte Unterstützung der deutschen Sozialdemokratie zurückgreifen (müssen).