Neulich am Flughafen, wartend auf den Abflug, schlendernd durch die Konsumzone: Irgendwie wirkt sie bedrückend, diese Aneinanderreihung riesiger Toblerone-Bottiche nebst maximalvoluminösen Scotch- und Wodkaflaschen. Mit einer durchschnittlichen Flughafenshop-Auslage ließe sich die Bevölkerung einer mittleren Großstadt zu Sumoringern mästen oder direkt vergiften.

Und dann noch der ganze Blingbling-Schnickschnack. Ein Laden verkauft Nippes mit "echten" Swarovski-Kristallen, wobei mir das Prädikat echt im Gedächtnis bleibt. Sehr clever, denn es suggeriert Qualität. Wenn es echt gibt, muss es auch unecht geben – also falsch.

Wenn es aber falsch gibt, muss es sich lohnen, für echt etwas mehr zu bezahlen. Echt taucht als Begleitwort sogar dort auf, wo es erkennbar überflüssig ist.

Es ist wahr, ich habe schon Echtholzimitat im Baumarkt gesehen und im Kaufhaus eine Jacke aus echtem Kunstleder. Was bitte sollte denn im Gegenzug falsches Kunstleder sein? Echtes Leder?

Und hier am Flughafen: echte Swarovski-Kristalle. Ich mag das Zeug, damit wir uns nicht falsch verstehen. Swarovski macht tolle Dinge aus Glas – oder meinetwegen Kristall. Hübsch, wenn sich das Licht in allerlei putzigen Tierchen bricht. Irgendwie müssen die Setzkästen der Welt ja gefüllt werden.

Die Magie der Klunker ist gewaltig. Ich meine mich aus dem Geschichtsunterricht zu erinnern, dass Glasperlen schon anno dunnemals vor allem dazu verwendet wurden, Ureinwohnern in Südamerika oder der Südsee ihr Wertvollstes abzuluchsen: Grund und Boden der sonnenverwöhnten Eilande im Tausch gegen buntes Glas. Als die Desillusionierung einsetzte, war es für die Einheimischen schon zu spät, um noch etwas am schlimmen Schicksal zu ändern.

Eine Insel besitze ich zwar nicht, nur etwas Geld. Ich werde aber nichts davon für echte Swarovski-Kristalle ausgeben. Ich will als Konsument nicht das Schicksal der Ureinwohner teilen. Ist doch bekannt, dass sie damals zwar echte Glasperlen erhielten, letztlich aber doch nur das schlechteste Geschäft ihres Lebens machten.

In echt, jetzt.