Noch ist es ein Gerücht, aber ein plausibles: Ein chinesischer Staatsfonds will sich an der Daimler AG beteiligen, angeblich mit einem Anteil zwischen vier und zehn Prozent am Aktienkapital.

Muss sich Daimler-Chef Dieter Zetsche nun fürchten, dass ihm bald Funktionäre aus China in die Geschäftspolitik hineinreden? Oder muss das Industrieland Deutschland gar um eine seiner Perlen bangen?

Mitnichten. Es schüfe für die Daimler-Chefs besser kalkulierbare Verhältnisse, wenn die Chinesen mit ihrem größten Automobilmarkt der Welt Milliarden in Stuttgart investierten und auf diese Weise für stabilere Aktionärsstrukturen sorgten. Es wäre auch für Deutschland insgesamt von Vorteil, zeigten die Chinesen als Investoren ihr Vertrauen in die Zukunft der Exportnation.

Außerdem: Für VW/Audi ist China heute schon der größte Absatzmarkt, für BMW und Daimler soll es das bald werden. Alle bauen dort eilig neue Fabriken auf.

Kommt der Staatsfonds aus China, würde Daimler deshalb gleich in mehrfacher Hinsicht profitieren:

Anders als BMW mit der Familie Quandt und Volkswagen mit den Porsches und Piëchs als starken Ankeraktionären hat Daimler bis auf die Kuwaitis (knapp 8 Prozent) und seine Kooperationspartner Renault/Nissan (gut 3 Prozent) keine größeren Anteilseigner.

Nachdem der Großaktionär aus Abu Dhabi kürzlich bei den Stuttgartern ausgestiegen ist, wäre ein neuer langfristig engagierter Investor als Abschreckung gegen eine mögliche feindliche Übernahme nützlich. An der Börse ist Daimler heute eher niedrig bewertet, da kann auch ein spekulativer Fonds schnell auf Ideen kommen, wenn kein Großaktionär im Hintergrund sitzt.

Daimler wuchs zuletzt in China auch deutlich schwächer als die direkten Rivalen BMW und Audi, da kann die Aufmerksamkeit nur nutzen. Außerdem dürfte die Verbindung chinesische Funktionäre davon abhalten, den Absatz deutscher Luxusautos zugunsten einheimischer Fabrikate im Lande stärker als bisher zu behindern.

Kein Wunder also, dass die Signale in Stuttgart für die Chinesen auf Grün stehen. Solange das Engagement in der kolportierten Größenordung bliebe, müsste Dieter Zetsche auch keine allzu große Einflussnahme auf das operative Geschäft befürchten.

Im Gegenteil, ein langfristiges Interesse wäre dem Staatsfonds und der Daimler-Führung gemein: möglichst hohe und stabile Renditen.