Neulich habe ich mit Hanna Rosin geskypt, es war sehr interessant und auch lustig, es ging um Powerfrauen, etwa die Frage, ob Analverkehr ein Indiz für Führungsgeilheit ist, ob Männer diese asozialen Nerds sind, die Rosin in ihrem Buch Das Ende der Männer beschreibt. Alles lief gut, bis auf den Beginn des Gespräches. Ich sagte: "Schönen Gruß von meinen Söhnen. Ich soll fragen, ob Sie glücklich sind, dass ›das Ende der Männer‹ noch nicht da ist, sodass sie heute früh meinen Laptop reparieren konnten und wir jetzt Gelegenheit haben, miteinander zu plaudern."

Kleine Pause.

Auch Hanna Rosin hat Söhne. Einer ist vier, er hat mit dem Mannsein vor zu kurzer Zeit angefangen, um sich vor dem Ende zu fürchten, anders sein Bruder, dem das Buch gewidmet ist, mit lahmem "Für Jacob, tut mir leid wegen des Titels". Was Jacob, neun Jahre, nicht davon abhält, seit das Buch im letzten September in Amerika erschienen ist, Zettel an die Tür des mütterlichen Arbeitszimmers zu kleben, deren Inhalt sie lieber nicht zitieren möchte. Da wäre noch David, Rosins Ehemann und Chefredakteur des Magazins Slate, er schreibt in schöner Online-Offenheit: "Welcher Teil unseres Lebens hat sie dazu gebracht, ein Verhängnis vorauszusagen, das mich und die Hälfte der Menschheit bedroht? Habe ich den Geschirrspüler falsch beladen?"

Das Buch hat eine Debatte losgetreten. Sonderseiten im Economist! Interview im Wall Street Journal, Essay in der New York Review of Books. Titelgeschichte im Magazin der New York Times, Vorträge! Und nun schwappt die Sache zu uns, schon Wochen vor Erscheinen der deutschen Ausgabe des Buches am 15. Januar sah man am Kiosk einen Coverboy, der wirkte, als habe ihm jemand die Klamotten geklaut, während er ahnungslos auf der Woge des Patriarchats surfte, nackt krümmte er sich um seine Mitte, als sei ihm schlecht. Der Mann überflüssig? In einer Wirtschaft, die er geschaffen hat? Abgehängt von Karriereweibern, denen man eben noch ein paar Vorstandsprozente spendieren wollte?

Hanna Rosin sagte: "Ihre Söhne spielen vermutlich darauf an, dass auf der Liste der Berufe, die noch von Männern dominiert sind – übrigens nur Hausmeister und Programmierer –, allein die Computerbranche Frauen keine gute Chancen bietet. Es ist die Industrie, in der Männer reüssieren. Exzellenter Punkt für Ihre Söhne. Aber nicht, weil sie Skype in Gang gebracht haben. In Asien ist die Kluft zwischen Männern und Frauen in dieser Branche schon viel kleiner. In Bulgarien starten Frauen in der Computerindustrie gerade durch..."

Zahlengewitter, Statistiken, Ländervergleiche. Das Buch ist voll davon. Reportage vom Treffen hochhackiger Ivy-League-Zöglinge, Besichtigung der Krisenzonen, in denen die ökonomischen Verheerungen alles plattgemacht haben, verschwunden die Jobs für echte Männer, ausrangiert die Familienernährer. Ausflüge in eine Stadt, wo Frauen sich auf den Ruinen männlicher Ökonomie strahlend neu aufgestellt haben, alleine. Das Buch erweitert einen Aufsatz, den die Journalistin Hanna Rosin 2010 in ihrem Magazin The Atlantic veröffentlicht hat, sie tut dies so gründlich, wie man es von einer Topfrau erwartet, die mit fünf als Tochter eines israelischen Taxifahrers und einer Hausfrau nach Amerika kam, in Queens, New York City aufwuchs, in Manhattan die Eliteschule Stuyvesant High School besuchte, in Stanford Literatur studierte. Stationen bei The New Republic, The Washington Post, The New Yorker.

Ihre Thesen: Der Zusammenbruch der verarbeitenden Industrie und die Bankenkrise nach der Immobilienkrise und der Krise der Angestelltenjobs haben Lebensräume bis in die Mittelschicht zerschlagen. Das lasse schockstarre Männer zurück. Pappkarton-Helden nennt sie sie. Und es sind Frauen, die die Scherben zusammenkehren, die Kinder umsorgen, die Brötchen verdienen, wenn nötig, mit drei Jobs. Die Rede ist von einem neuen Matriarchat. Für die Ökonomien der Zukunft scheinen Frauen besser geeignet, so willig, sich neuen Verhältnissen anzupassen, als seien sie aus Weichplastik, so gnadenlos durchstartend mit der Wucht lange unterdrückter Power. Frauenförderung war gestern, heute muss man sich um den Mann sorgen. Braucht er Sozialarbeiter? Therapie?